Mülldeponie Höltigbaum: Keine Chance für Freizeitnutzung
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Mittwoch, 15.09.2010
Als die Mülldeponie Höltigbaum vor dreißig Jahren aufgeschüttet wurde, gab es die Vision, das Gelände später als Landschaftspark nutzen zu können. Von der Meiendorfer Schweiz und Rodelpisten war die Rede. Doch daraus ist nichts geworden, weil die beiden Müllberge Deponiegas bilden. Auf Initiative des Rahlstedter Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter besichtigte eine Gruppe von SPD-Abgeordneten kürzlich die Deponie, mehrere Mitarbeiter der Stadtreinigung Hamburg führten ihn und seine Kollegin Dr. Monika Schaal sowie die Bezirksabgeordneten Gudrun Wendt und Lars Pochnicht bis auf den 40 Meter hohen Gipfel des höheren Müllbergs und beantworteten viele Fragen. Dabei stand vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Kann man die Müllberge irgendwie sinnvoll nutzen?
In der Vergangenheit hatte die Stadtreinigung den Bau von Windenergieanlagen auf den Müllbergen ins Spiel gebracht. Entsprechende Bauvoranfragen wurden in den Jahren 1999 und 2007 jedoch negativ beschieden. Problematisch ist hier vor allem die Nähe zum benachbarten Telekom-Sendemast, so die Mitarbeiter der Stadtreinigung. Für Solaranlagen würden sich die Müllberge ebenfalls nicht eignen, weil die Hänge zu steil sind und Diebstahl und Vandalismus auf der unbewachten Anlage befürchtet wird. Auch für die Öffentlichkeit werden die Müllberge weiterhin nicht zugänglich sein. „So schön der Blick vom ‚Gipfel‘ des Müllbergs ist, die Deponie ist und bleibt ein technisches Bauwerk. Solange sie noch Gas abgibt, wird aus der Idee eines öffentlich zugänglichen Landschaftsparks nichts“, sagt Buschhüter. Doch selbst danach ist eine solche Nutzung fraglich. Naturschützer befürchten einen zu großen Besucherdruck auf die beiden angrenzenden Naturschutzgebiete Höltigbaum und Stellmoorer Tunneltal, wenn die Müllberge begehbar wären.
Seit 1989 hat die Mülldeponie bereits über 40 Millionen Kubikmeter Deponiegas mit einem Heizwert von etwa 200 Millionen Kilowattstunden abgegeben. Erwartungsgemäß nehme die zu entnehmende Deponiegasmenge kontinuierlich ab, eine Entnahme werde jedoch noch 20 bis 30 Jahre andauern, so die Stadtreinigung. Mit dem Deponiegas wird ein Blockheizkraftwerk im Bargkoppelweg betrieben. Der dort erzeugte Strom wird direkt in das Mittelspannungsnetz eingespeist, die Wärme in das Fernwärmeverbundnetz. „Deponien stehen weltweit an sechster Stelle der klimaschädlichen Methanproduzenten. Es ist deshalb nur zu begrüßen, dass auf Höltigbaum die Deponiegas-Energie energetisch genutzt wird. Hierdurch lassen sich sonstige Emissionsquellen vermindern und in der Summe können so alle gasförmigen Emissionen der Deponie praktisch neutralisiert werden“, sagt Dr. Monika Schaal, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Erlöse erzielt die Stadtreinigung als Gaslieferant allerdings nicht: Die Kosten für Instandhaltung und Wartung der Entgasungseinrichtung seien höher als die Einnahmen.
Die Mülldeponie Höltigbaum war zwischen 1974 und 1982 in Betrieb. Abgelagert wurden Hausmüll, Sperrmüll und hausmüllartige Abfälle sowie Boden und Bauschutt. Das umfangreiche Überwachungskonzept für die Deponie sieht die Untersuchung des Grundwassers im Umfeld, des Oberflächen- und des Sickerwassers sowie die Untersuchung der umliegenden Gewässer vor. Relevante Emissionen sind bislang nicht festgestellt worden.