Es ist klein und unscheinbar, aber hat es in sich: Am Bahnübergang Am Pulverhof hat die Deutsche Bahn ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) errichtet. Im Oktober 2026 wird es das alte Relaisstellwerk im Güterbahnhof Wandsbek, später auch das alte Stellwerk Rahlstedt ablösen. Die neue Technik wird für eine bessere Betriebsstabilität auf der Strecke Lübeck – Hamburg sorgen. Das Stellwerksgebäude wurde zudem so dimensioniert, dass es später auch noch einen Stellrechner für die beiden Gleise der neuen S-Bahn-Linie S4, die hier in den nächsten Jahren errichtet werden, aufnehmen kann.
Das zweistöckige Modulgebäude für das neue Elektronische Stellwerk ist in dem kleinen Wäldchen zwischen der Bahnstrecke und der Stein-Hardenberg-Straße entstanden, direkt an der zukünftigen S4-Station “Pulverhof”. Die Arbeiten am ESTW Wandsbek sind weitestgehend abgeschlossen. Anders als ursprünglich geplant, kann die Inbetriebnahme des neuen ESTW aber erst im Oktober 2026 erfolgen, weil zunächst noch die Inbetriebnahme des benachbarten ESTW Rothenburgsort abgewartet werden muss, die im April 2026 im Zuge der Generalsanierung des Hochleistungskorridors Hamburg – Berlin erfolgt. Nach dem Softwarewechsel im ESTW Rothenburgsort müssen gemäß Vorgabe des Herstellers Siemens noch sechs Monate abgewartet werden, um die neue Software auf dauerhaft fehlerfreie Funktionsfähigkeit zu prüfen.
Anders als die beiden bisherigen Relaisstellwerke, die 1982 in Betrieb genommen worden waren, wird das ESTW Wandsbek nicht mit Personal besetzt sein, sondern von der Betriebszentrale in Hannover aus ferngesteuert werden. Mit dessen Inbetriebnahme wird dann auch die so genannte Horner Kurve, die in Höhe Hammer Straße die Strecke Lübeck – Hamburg mit der Güterumgehungsbahn verbindet, zweigleisig befahrbar sein. Diese Strecke wird zukünftig vom Wandsbeker Stellwerk aus gesteuert und nicht mehr von Rothenburgsort.
Erst im Zuge der Generalsanierung der Strecke Lübeck – Hamburg, die voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2028 stattfinden wird, wird auch die Leit- und Sicherungstechnik im Abschnitt Rahlstedt – Ahrensburg modernisiert. Das ESTW Wandsbek übernimmt dann auch die Aufgaben des alten Stellwerks in Rahlstedt, das im Zuge der S4-Bauarbeiten abgerissen wird.
“Moderne Stellwerkstechnik wird zukünftig und auch schon während des Baus der neuen S-Bahn-Linie S4 für einen besseren Betrieb auf der Strecke Lübeck – Hamburg im Bereich Wandsbek sorgen. Die Betriebssicherheit auf der Strecke wird dadurch erhöht. Die alte Stellwerkstechnik ist abgängig, in Rahlstedt muss das alte Stellwerksgebäude zudem den neuen Gleisen im Zuge des Baus der S4 weichen, so dass hier rechtzeitig Ersatz geschaffen werden muss”, sagt der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter.
Schriftliche Kleine Anfrage „Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerks (ESTW) Wandsbek“ und Antwort des Senats vom 15. August 2025 (Drucksache 23/1109): https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/93919/23_01109_inbetriebnahme_des_elektronischen_stellwerks_estw_wandsbek
Die Planunterlagen für das Vorhaben „Neubau Stellwerksgebäude Wandsbek“ wurden im bezirklichen Ausschuss für Mobilität und Wirtschaft bereits am 19. September 2019 vorgestellt und können hier heruntergeladen werden: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1010747
Guten Tag Herr Buschhüter,
gibt es inzwischen ein genaues Datum für den Baubeginn des zukünftigen S4-Bahnhofs „Am Pulverhof“?
Zudem würde mich interessieren, ob man als Anwohner irgendwo Informationen von der Stadt finden kann, wie die zukünftige Umgebung des Bahnhofs geplant ist und wie entsprechende Baumaßnahmen umgesetzt werden?
Hintergrund meiner Frage ist, dass ich mich als Anwohner mich öfters mal frage, worum etwas nur zur Hälfte umgesetzt wurde.
So wurde zum Beispiel die neue Busstation „Am Pulverhof Mitte“ in Betrieb genommen, jedoch nur in eine Richtung, oder es wurden die Fußwege an der Stein-Hardenberg-Straße Richtung Rahlstedt saniert, aber den Radweg hat man weggelassen.
Nein, das gibt es noch nicht. Ich rechne damit, dass Bauarbeiten in diesem Bereich frühestens im 2. Halbjahr 2026 beginnen. Die Planfeststellungsunterlagen umfassen auch das nähere Umfeld der Station Pulverhof. Sie können sie hier einsehen: https://www.s-bahn-4.de/mediathek/planfeststellungsunterlagen-zum-bauabschnitt-en –> Planfeststellungsunterlagen zum Bauabschnitt 2 –> Unterlage 3 Lagepläne –> Seite 10
Die Bushaltestelle Am Pulverhof (Mitte) wurde bislang nur Richtung Bf. Tonndorf eingerichtet, im Zuge der Sanierung der Fahrbahndecke der Stein-Hardenberg-Straße durch den zuständigen Baulastträger. In der Gegenrichtung soll die Bushaltestelle in der Straße Am Pulverhof entstehen, hier ist das Bezirksamt Wandsbek zuständig. Die Umsetzung dieser Maßnahme durch das Bezirksamt steht noch aus. Der Senat hatte mit im Herbst 2024 zu der Haltestelle geantwortet (Drucksache 22/16575, https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/88817/22_16575_auf_dem_weg_zum_hamburg_takt_neue_xpressbus_linie_x27):
„Die Haltestelle Am Pulverhof (Mitte) wird zukünftig von der Metrobuslinie 27 bedient. Es handelt sich hierbei um eine Erschließungslücke, die im Rahmen der EMS-Maßnahme (Erhaltungsmanagement für Hamburgs Straßen) zumindest stadteinwärts geschlossen werden konnte. Der Haltestellenstandort stadtauswärts ist auf dem Linienweg der Linie 27 nach dem Abbiegen in der Straße Am Pulverhof vorgesehen. Der Standort befindet sich außerhalb des Plangebietes der EMS-Maßnahme, weshalb keine Realisierung im Rahmen dieser erfolgen konnte.
Zudem ist in der Stein-Hardenberg-Straße stadtauswärts hinter dem Knoten Stein-Hardenberg-Straße/Am Pulverhof langfristig ein Haltestellenstandort vorgesehen, der jedoch vorrangig einem künftigen Schienenersatzverkehr für die mit der S4 in Betrieb zu nehmende S-Bahn-Haltestelle S Pulverhof dienen soll. Für den Schienenersatzverkehr stadteinwärts kann die neue Haltestelle Am Pulverhof (Mitte) genutzt werden.“
Die Breite der Nebenflächen in der Stein-Hardenberg-Straße zwischen Am Pulverhof und Birkenallee war zu schmal, um hier getrennte Geh- und Radwege in den erforderlichen Breiten anlegen zu können. Die Verkehrsbehörde hat sich daher stattdessen für einen gemeinsamen Geh- und Radweg entschieden. Angesichts des vergleichsweise geringen Fußgängeraufkommens in diesem Abschnitt erscheint mir das vertretbar.
„Anders als ursprünglich geplant, kann die Inbetriebnahme des neuen ESTW aber erst im Oktober 2026 erfolgen, weil zunächst noch die Inbetriebnahme des benachbarten ESTW Rothenburgsort abgewartet werden muss, die im April 2026 im Zuge der Generalsanierung des Hochleistungskorridors Hamburg – Berlin erfolgt. Nach dem Softwarewechsel im ESTW Rothenburgsort müssen gemäß Vorgabe des Herstellers Siemens noch sechs Monate abgewartet werden, um die neue Software auf dauerhaft fehlerfreie Funktionsfähigkeit zu prüfen.“
Weshalb kann denn nicht Pulverhof als Testpilot dienen? Der (fehlende) Streckenausbau scheint ja nicht ursächlich zu sein?
Das hat möglicherweise damit zu tun, dass das ESTW Wandsbek Teile des Stellbezirks des ESTW Rothenburgsort übernehmen soll.