Pseudomonas syringae pv. aesculi – dieses Bakterium sorgt derzeit verstärkt dafür, dass sich unser Straßenbild verändert. Das Bakterium mit eingebautem Zungenbrecher befällt immer mehr Rosskastanien, die in Hamburg die Straßen säumen, in Rahlstedt zum Beispiel die Kastanien im Haffkruger Weg. Der Befall macht sich durch rostbraunen bis schwarzen Ausfluss aus der Rinde („Kastanienbluten“) bemerkbar. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Baum nicht mehr zu retten ist und gefällt werden muss, da weiterer Pilzbefall den Stamm und die Wurzel beeinträchtigen und seine Standfähigkeit nicht mehr gegeben ist. Man bezeichnet dieses Phänomen auch als Neue Schleimflusserkrankung. In Hamburg wurde sie erstmals im Jahre 2007 nachgewiesen.

Waren es in den letzten Jahren zunächst noch der Befall mit Miniermotten, die die Rosskastanien arg mitgenommen, aber nicht letal geschädigt haben, sind nun Bakterien und Pilze auf dem Vormarsch, die leider für erhebliche Abgänge sorgen. Im Jahre 2014 trat hamburgweit bereits an rund 900 Kastanien Schleimfluss auf, wie eine Antwort des Senats auf eine Kleine Schriftliche Anfrage offenbarte. Weitere bekannte Schädlinge bei Bäumen sind u.a. die Wollige Napfschildlaus, die vorrangig Linde und Ahorn befällt, sowie die Massaria-Pilzerkrankung, die es auf Platanen abgesehen hat. Die Stadt muss in diesen Fällen eingreifen und häufig Baumfällungen vornehmen, die naturgemäß immer besonders kritisch beäugt werden.

Zuletzt fielen im Haffkruger Weg in Oldenfelde (bis 1950 lautete der Straßenname übrigens Kastanienallee) viele der dortigen straßenbildprägenden Rosskastanien der Schleimflusserkrankung zum Opfer. Zunächst waren insbesondere „junge“ Kastanien (Nachpflanzungen in jüngerer Zeit) betroffen, danach erwischte es auch alte, zumeist hundertjährige Kastanien. Baumfällungen waren unausweichlich.

Das Bezirksamt Wandsbek handelte im Haffkruger Weg schnell, Ersatzpflanzungen wurden vorgenommen. Statt anfälliger Rosskastanien wurden nun Blumeneschen gesetzt – die aber in den Augen der Anlieger ein Stück zu klein geraten waren. Schnell bildete sich eine Anliegerinitiative, die im direkten Gespräch mit dem Bezirksamt erreichte, dass bei zukünftigen Ersatzpflanzungen im Haffkruger Weg Ersatzbäume mit einem größeren Stammdurchmesser gesetzt werden. Damit soll der vollständige Alleecharakter der Straße schneller wieder erreicht werden. Zudem sollen die kürzlich neu gesetzten, kleineren Blumeneschen, bei weiteren notwendigen Neupflanzungen an andere Standorte in der Straße umgesetzt und durch größere Bäume ersetzt werden. Auch auf die Symmetrie der Baumstandorte soll geachtet werden.

Durch den Befall mit Pseudomonas syringae könnten auch die Tage der von Mitgliedern der SPD Oldenfelde im Jahre 2011 im Rahmen der Aktion „Mein Baum – Meine Stadt“ gespendeten rotblühenden Rosskastanie vor der Hausnummer 2 gezählt sein – was ausgesprochen schade wäre. Zuletzt hatte ich 2015 über diesen Baum berichtet: https://www.buschhueter.de/haffkruger-weg-rotbluehende-rosskastanie-waechst-und-gedeiht/