Mehr Bushaltestellen barrierefrei auszubauen, ist ein zentrales Ziel des Koalitionsvertrages von SPD und Grünen. Als Grundlage für die Planung wurde der hvv mit einer Vollerhebung aller Bushaltestellen-Teilbereiche im Verkehrsgebiet beauftragt. Aus der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Ole Thorben Buschhüter (SPD) und Rosa Domm (Grüne) geht nun hervor, wo Handlungsbedarf besteht und wie der Ausbau strategisch umgesetzt werden kann. Dafür sollen besonders dringliche Haltestellen priorisiert und insbesondere dort, wo bereits ein Großteil des Haltestellenbereichs barrierefrei ist, die Verfahren beschleunigt werden. Zudem soll ein Pilotprojekt für serielle Bauweisen den barrierefreien Umbau im Bestand schneller und effizienter machen.
Dazu Ole Thorben Buschhüter, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg: „Barrierefreiheit ist ein zentraler Pfeiler der Mobilitätswende. Dabei geht es vor allem darum, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und unabhängig von A nach B zu kommen. Betroffene und Verbände von Menschen mit Sinnes- und Mobilitätseinschränkungen sind daher als Expert:innen eng in die Planungen eingebunden. Mit der Vollerhebung wissen wir jetzt genau, wo wir stehen und wo wir ansetzen müssen. In den letzten Jahren lag der Fokus vor allem auf dem barrierefreien Ausbau des Schnellbahnnetzes, der im nächsten Jahr bis auf 3 Haltestellen abgeschlossen sein wird. Jetzt müssen wir uns auf die Bushaltestellen konzentrieren. Neue Haltestellen werden immer von vornherein barrierefrei gebaut, doch im Bestand sind von den über 4.000 Teilbereichen in Hamburg bisher nur rund elf Prozent in jeder Hinsicht barrierefrei. Das wollen wir ändern: Der Ausbau muss künftig schneller und einfacher gelingen. Die Prüfung serieller Bauweisen an 25 Haltestellen ist dafür ein entscheidender Schritt. Wenn sich der Ansatz bewährt, sollte das serielle Bauen schnellstmöglich zum Standard werden – damit Hamburgs Busnetz für alle zugänglich wird.“
Dazu Rosa Domm, Sprecherin für Mobilität der Grünen Fraktion Hamburg: „Barrierefreie Mobilität ist eine Frage der Gerechtigkeit – sie entscheidet darüber, ob Menschen mit Behinderungen ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. In den letzten Jahren hat sich in Hamburg bereits viel getan: Fast alle Schnellbahnhaltestellen sind inzwischen barrierefrei, und nun rücken die Bushaltestellen in den Fokus. Mit der flächendeckenden Datenerhebung aller Haltestellen schafft der Senat eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau. Auf dieser Datenbasis können wir als Koalition gezielt weiterarbeiten und genau dort ansetzen, wo der Bedarf am größten ist. Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Verbänden von Menschen mit Sinnes- und Mobilitätseinschränkungen: Sie wissen selbst am besten, wo Barrieren im Alltag bestehen. Ein innovativer Schritt ist das Pilotprojekt zum seriellen Bauen und zur zentralen Beschaffung beim Haltestellen-Umbau. Denn bislang ist der Umbau vieler Haltestellen noch aufwändig. Wenn sich dieser neue Ansatz bewährt, können künftig deutlich mehr Haltestellen schneller und kosteneffizient barrierefrei umgebaut werden. So kommen wir dem Ziel eines für alle zugänglichen Nahverkehrs in Hamburg konsequent näher.“
Schriftliche Kleine Anfrage „Auf dem Weg zum Hamburg-Takt: Vollerhebung der Bushaltestellen (II)“ und Antwort des Senats vom 7. November 2025 (Drucksache 23/1970): https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/99081/
Ich finde die Bushaltestellen auf der Straße teilweise falsch angelegt. Besonders auffällig, wenn man nachmittags stadtauswärts die Meiendorfer Straße fährt. Die durch die jetzt auf die Fahrbahn versetzten Haltestellen verursachen einen Stau bis zur Kreuzung Berner Straße, da es bei keiner der Bushaltestellen eine Möglichkeit des Überholens gibt. Die letzte Haltestelle ist dann auch noch vor Aldi, wo bekanntlich viele Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen einsteigen, was die Haltezeit nochmals verlängert. Es handelt sich hierbei um eine Hauptverkehrsstraße, die über diese Strecke nur einspurig ist. Hier müsste dringend ein Rückbau angestrebt werden.
Wir werden gewiss keine Fahrbahnrand-Bushaltestellen zurückbauen, wenn der Preis dafür ist, auf Barrierefreiheit zu verzichten. Wo der Platz dafür reicht (Barrierefreiheit) und nicht damit gerechnet werden muss, dass sie häufig von Falschparkern blockiert werden, werden auch weiterhin Busbuchten gebaut, siehe Meiendorfer Straße stadteinwärts. Vor Aldi wäre eine Busbucht möglich unter Verzicht auf die Linksabbiegespur auf das Aldi-Grundstück. Es spricht allerdings viel für die Annahme, dass die Aldi-Linksabbieger ohne eigene Spur hier den Verkehr mehr blockieren würden, als ein Bus, der alle 10 Minuten für 10-20 Sekunden dort hält. Ob Stau in der Meiendorfer Straße wirklich allein auf die stadtauswärts am Fahrbahnrand haltenden Busse zurückzuführen ist, wage ich daher zu bezweifeln. Rückwärts einparkende Pkws auf Längsparkständen, Linksabbieger ohne Linksabbiegespur usw. dürften mindestens genauso, wenn nicht sogar mehr, dazu beitragen, vom erhöhten Verkehrsaufkommen durch die weiterhin anhaltende Baustelle Berner Straße ganz zu schweigen. Busverkehr ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung, wenn es darum geht, den Verkehr in unserer Stadt besser zu machen.
Moin Herr Buschhüter!
Das folgende Anliegen gehört eher mehr als weniger auch zu diesem Thema.
Es ist lobenswert, dass neue Bushaltestellen generell barrierefrei geplant und gebaut werden.
Wieso erstreckt sich dieser generelle Ansatz nicht auch auf die Haltestellenhäuschen?
Ich wage es doch sehr zu bezweifeln, dass man im Zuge der Planungen der Haltestelle nicht auch erkennen kann, ob ein Haltestellenhäuschen an relevanten Standorten möglich ist oder nicht.
Warum müssen Fahrgäste im wahrsten Sinne des Wortes oft über mehr oder weniger lange Zeiträume im wahrsten Sinne des Worten im Regen stehen, wenn eine neue Haltestelle oder/und eine neue Buslinie in Betrieb genommen wird (z.B. X27).
Weshalb fallen mitunter auch bereits existierende Haltestellenhäuschen komplett weg (z.B. U-Straßburger Straße), wenn Straßenbaumaßnahmen den Straßenraum verändern?
Aus welchen Gründen werden Haltestellenhäuschen, so sie denn baulich möglich sind, nicht gleich bei der Schaffung neuer Haltestellen mitgebaut?
Auf diesen Bereich sollte sich die Aufmerksamkeit Behörden
Mit besten Grüßen
S.K.
Ihre Frage ist berechtigt. Es gibt Fälle, in denen in Straßenbauplanungen Platz für einen Fahrgastunterstand eingezeichnet sind, dessen Aufbau später aber daran scheiterte, dass Leitungen im Untergrund den Einbau der notwendigen Fundamente verhinderte. Das ist dann höchst ärgerlich und man fragt sich zu Recht, warum das nicht von vornherein bei der Planung bedacht wurde. Im Übrigen gibt es eine Prioritätenliste für neue Fahrgastunterstand-Standorte. Dabei ist das Fahrgastaufkommen ein wichtiger Faktor. Das heißt dann auch, dass sich gänzlich neue Bushaltestellen, deren Fahrgastaufkommen noch ungewiss ist, in die Prioritäten einreihen müssen und nicht automatisch ganz oben auf der Liste stehen.