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Update vom 3. Februar 2026: Die Protektionselemente wurden heute allesamt entfernt. Einstweilen sichern Warnbaken den Radfahrstreifen ab, solange die noch fehlende Markierung nicht aufgebracht werden kann.


Es geschah in guter Absicht, aber in der Praxis haben sie sich nicht bewährt: Die umstrittenen Protektionselemente in der Berner Straße, die abschnittsweise den Radfahrstreifen von der Fahrbahn trennen, werden wieder abgebaut. Der Auftrag dazu ist bereits erteilt, der Abbau soll am Dienstag beginnen. Damit zieht die Verkehrsbehörde sechs Wochen nach der Verkehrsfreigabe der Berner Straße die Reißleine. Dies erfuhr der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete von der Verkehrsbehörde, mit der er seit Jahresbeginn wegen der Protektionselemente in Kontakt steht.

„Diese Protektionselemente haben sich ganz offensichtlich nicht bewährt. Statt Radfahrende zu schützen, wurden sie zur Gefahr für Autofahrer und Radfahrer gleichermaßen. Konsequenterweise zieht die Verkehrsbehörde jetzt die Reißleine und lässt sie kurzfristig entfernen“, sagt Buschhüter.

Die Protektionselemente, 16 cm hohe Betonsteine mit einem trapezförmigen Querschnitt, wurden längs zur Fahrbahn aufgeklebt, und zwar dort, wo ohne Radfahrstreifen der Bordstein gewesen wäre. Dennoch erfüllten sie die Erwartungen nicht, im Gegenteil. Kritisiert wurde von Anfang an die schlechte Erkennbarkeit der Betonsteine, die nur unzureichende Reflektoren aufweisen, und deren mangelnde Fehlertoleranz. Unter der Schneeschicht der vergangenen Wochen waren sie schließlich gar nicht mehr auszumachen. Autofahrer fuhren sich fest, mit zum Teil erheblichen Schäden an ihren Fahrzeugen (u.a. Reifen, Ölwannen), Winterdienst-Fahrzeuge schoben manche Protektionselemente gar zur Seite, so dass sie plötzlich quer auf dem Radfahrstreifen lagen und so auch noch zur Gefahr für Radfahrende wurden. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer zählte vergangene Woche 120 (!) beschädigte Protektionselemente, elf Elemente hatten sich sogar gelöst und waren nicht mehr am vorgesehenen Platz.

Die Idee mit den Protektionselementen kam aus der Mitte des Volkes. Die erfolgreiche Volksinitiative „Radentscheid Hamburg“ hatte 2019 gefordert: „Die Radwege werden von der Fahrbahn und dem Fußweg durch ein bauliches Element so abgetrennt, dass missbräuchliches Befahren, Halten und Parken von Kfz sowie versehentliches Betreten erschwert wird.“ 2020 gab es eine Einigung zwischen der Hamburgischen Bürgerschaft und der Volksinitiative, in der sich die Bürgerschaft u.a. diese Forderung zu eigen gemacht hat. In Hamburg werden Protektionselemente seither an unterschiedlichen Straßen eingesetzt, wobei sich die Bauweise von Ort zu Ort unterscheiden kann. Grundsätzlich waren die Erfahrungen und Rückmeldungen mit Protektionselementen bisher gut, zum Beispiel an der Esplanade, Königstraße oder Hannoverschen Straße. Bei der in der Berner Straße verwendeten Bauart sieht es allerdings anders aus.

Die konkrete Ausführung in der Berner Straße war mit Polizei und Feuerwehr abgestimmt und im Herbst 2022 nachträglich in die Straßenbauplanung aufgenommen worden. Die Protektionselemente wurden nur an ausgewählten Stellen verbaut, auf deutlich weniger als der Hälfte der gesamten Strecke. Vor Grundstücksüberfahrten, an Bushaltestellen, in Einmündungs- und Kreuzungsbereichen und dort, wo sich Längsparkstände hinter dem Radfahrstreifen befinden, konnten sie von vornherein nicht zum Einsatz kommen. So ergaben sich weite Strecken, auf denen Radfahrende ohnehin ohne Schutz auskommen mussten. Die Lücken zwischen den einzelnen Elementen waren zudem zur Oberflächenentwässerung notwendig.

Die Verkehrsbehörde wird nun prüfen, ob andere Möglichkeit in Frage kommen, um den geforderten Schutz von Radfahrenden auf den Radfahrstreifen zu erreichen, ohne Gefahrenquellen für andere Verkehrsteilnehmer zu schaffen.