In diesem Jahr soll in Hamburg der Weltkongress für Intelligente Transport-Systeme (ITS) stattfinden. Eines von zahlreichen Projekten, die in Hamburg vorgestellt werden, ist das Projekt “BiDiMoVe” auf der MetroBus-Linie 26. Hierfür werden in diesem Jahr die Lichtsignalanlagen zwischen Rahlstedt und Farmsen intelligent gemacht. Mit moderner Technik sollen so die Verkehrssicherheit und die Pünktlichkeit weiter erhöht werden. Auch ansonsten tut sich einiges auf dieser wichtigen Querverbindung. Dies erfuhren die beiden SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter (Rahlstedt) und Lars Pochnicht (Bramfeld/Farmsen-Berne) durch eine Kleine Anfrage an den Senat.

BiDiMoVe – Was ist das?

“BiDiMoVe” steht für “Bidirektional, Multimodal, Vernetzt”. Dabei geht es um die Realisierung einer neuen Art der Busbeeinflussung. Das Projekt ist ein Teil der Hamburger ITS-Strategie. Dabei wird ein Teil der MetroBus-Linie 26 mit modernster V2X-Kommunikationstechnik ausgerüstet, um die Verkehrssicherheit und die Fahrplantreue der Busse zu erhöhen, so der Senat in seiner Antwort. Im Projekt wird der Einsatz einer zentralenbasierten Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) erprobt. Dieser Ansatz ermöglicht erstmals eine Multi-Kriterien-Optimierung von Lichtsignalanlagen-Schaltungen und lässt sich später auch auf andere Anwendungsfälle, wie zum Beispiel der Bevorrechtigung von Einsatzfahrzeugen, übertragen.

Alle zehn Lichtsignalanlagen zwischen Bf. Rahlstedt und Am Luisenhof in Farmsen werden noch in diesem Jahr mit BiDiMoVe ausgerüstet. Auch die folgenden fünf Lichtsignalanlagen bis einschließlich dem Knoten Bramfelder Chaussee/Steilshooper Allee sollen noch BiDiMoVe erhalten, der Umsetzungstermin hier ist allerdings noch offen.

“Wir freuen uns, dass diese moderne Technik für mehr Verkehrssicherheit und mehr Pünktlichkeit in Rahlstedt und Farmsen-Berne und Bramfeld erprobt wird. Die MetroBus-Linie 26 stellt eine wichtige Tangentialverbindung im Nordosten Hamburgs dar, die sich für eine solche Erprobung bestens eignet”, sagen Ole Thorben Buschhüter und Lars Pochnicht.

Mit dem Projekt BiDiMoVe werden laut Senat folgende Ziele verfolgt:

  1. eine dynamische und bedarfsgerechte Priorisierung des ÖPNV an Lichtsignalanlagen mittels Vernetzung über den ETSI-Standard (ITS-G5) als Funkstandard: Steigerung der Attraktivität des ÖPNV durch Fahrzeitverkürzung und damit verbunden die Verbesserung der Fahrplantreue; Höherer Komfort für Fahrgäste durch Reduzierung von Brems- und Anfahrvorgängen; Optimierung des Verkehrsflusses
  2. die Erprobung einer neuen Art der Gefahrenwarnung: Busfahrpersonal wird beim Rechtsabbiegen vor parallel verkehrendem Radverkehr gewarnt; Erhöhte Sicherheit für Radfahrende an Kreuzungen
  3. die Gewährleistung der IT-Sicherheit des Systems durch die Nutzung einer modernen Public-Key-Infrastructure (PKI): Nutzung digitaler und anonymer Zertifikate zur eindeutigen Signierung von V2X-Nachrichten

Bei der Erprobung einer neuen Art der Gefahrenwarnung für die Busfahrerin beziehungsweise den Busfahrer wird eine spezielle Wärmebildkamera an Kreuzungen, an denen der Bus den Radverkehr kreuzt, eingesetzt. Diese Kamera erkennt Radfahrende aufgrund deren Infrarotstrahlung als Differenz zur Umgebungstemperatur und sendet dem Bus Informationen über Fahrtrichtung und Geschwindigkeit des Radfahrenden. Im Bus werden diese Informationen mit den Fahrdaten des Busses verknüpft und ausgewertet. Sobald eine Kollision zwischen Bus und einer Radfahrenden droht, wird der Busfahrerin beziehungsweise dem Busfahrer eine Warnmeldung in der A-Säule des Busses und in seinem Kombiinstrument angezeigt. Dadurch soll die Verkehrssicherheit für Radfahrende erhöht werden.

“Nachdem wir mittlerweile fast alle städtischen LKW mit Abbiegeassistenten ausgestattet haben, können wir mit dieser Innovation die Sicherheit im Verkehr und ganz besonders im Hinblick auf die Radfahrenden weiter verbessern. Busfahrende werden quasi direkt über den Tacho auf Radfahrende hingewiesen und können diese so leichter wahrnehmen und Unfälle schon frühzeitig vermeiden”, sagt Lars Pochnicht.

Wichtige Tangentialverbindung

Die MetroBus-Linie 26 verkehrt zwischen Bahnhof Rahlstedt und U Alsterdorf bzw. U Kellinghusenstraße und verbindet auf einer tangentialen Strecke die Stadtteile Rahlstedt, Farmsen-Berne, Bramfeld, Steilshoop, Ohlsdorf, Barmbek-Nord, Winterhude und Eppendorf. Die Linie ist Bestandteil des Ausbauziels B des Busoptimierungsprogramms. Im Jahre 2019 nutzten durchschnittlich 18.730 Fahrgäste pro Tag diese wichtige Querverbindung.

Im Rahmen des Busoptimierungsprogramms wird die gesamte MetroBus-Linie 26 optimiert. Dies beinhaltet zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität insbesondere für die Verkehrsträger des Umweltverbundes, so der Senat in seiner Antwort. Wesentliche Elemente sind der barrierefreie Umbau der Haltestellen und die Ausstattung der vorhandenen Lichtsignalanlagen (LSA) mit Busbevorrechtigung. So sollen infrastrukturelle, verkehrstechnische und verkehrstelematische Verbesserungen erreicht werden.

Bislang verfügen 22 der 39 Lichtsignalanlagen entlang des Verlaufs der MetroBus-Linie 26 bereits über eine herkömmliche Busvorrangschaltung. Im Laufe dieses Jahres werden elf hinzukommen, so dass am Ende 33 Ampeln im Verkauf des Linienwegs (rund 85 Prozent) Bussen Vorrang bieten. Die dann noch fehlenden Busvorrangschaltungen befinden sich größtenteils im Bereich City Nord. Die konventionelle Busbevorrechtigung soll und muss zunächst weiter betrieben werden, da anfangs noch nicht alle Busse der MetroBus-Linie 26 mit der BiDiMoVe-Technik ausgerüstet sein können. Zudem dient die konventionelle Busbevorrechtigung als Rückfallebene für eventuelle Fehler im neuen System.

Die MetroBus-Linie 26 verfügt über insgesamt 31 Bushaltestellen. Im Rahmen anderer Vorhaben wurden in den letzten Jahren bereits viele Bushaltestellen barrierefrei umgebaut, 40 der 62 Richtungshaltestellen sind zudem bereits für den Einsatz von bis zu 25 Meter langen Bussen geeignet, die hier in Zukunft – bei weiter steigenden Fahrgastzahlen – zum Einsatz kommen könnten. Die noch verbleibenden Bushaltestellen werden in den nächsten Jahren umgebaut, den Anfang macht in diesem Jahr die Bushaltestelle “Liliencronpark” in Rahlstedt.

“Viele Bushaltestellen und Ampeln entlang der Linie 26 werden im Laufe dieses Jahres bereits den Anforderungen der Busoptimierung entsprechen, weitere folgen in den nächsten Jahren. Zusammen mit der intelligenten Busbevorrechtigung durch BiDiMoVe in Rahlstedt und Farmsen werden wir hier eine hochmoderne und hocheffiziente Buslinie haben”, sagt Ole Thorben Buschhüter.

Umgestaltung der Station U Farmsen für den Busverkehr

Eine besondere Herausforderung stellt der Verkehrsknoten am U-Bahnhof Farmsen dar. Im Zuge des Busoptimierungsprogramms sollen dort ausreichende Kapazitäten für den Busverkehr geschaffen und die Übersichtlichkeit und Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer deutlich verbessert werden. In einem ersten Schritt soll im Bereich Am Luisenhof/Bramfelder Weg eine ausreichenden Anzahl von Busaufstellflächen für Pause machende Busse geschaffen werden. In diesem Zusammenhang soll der Knotenpunkt Am Luisenhof/Bramfelder Weg in Richtung Westen “verschoben” werden.

Darüber hinaus wird das umfassende öffentliche Beteiligungsverfahren zur Umgestaltung des Verkehrsraumes rund um den U-Bahnhof Farmsen in 2021 fortgesetzt. Im Rahmen dieses Projektes soll der gesamte Verkehrsraum inklusive der sich anschließenden Knotenpunkte unter anderem für den Bus-, Rad- und Fußverkehr deutlich aufgewertet werden. Dieses Projekt befindet sich in der Beteiligungsphase. Weitergehende Informationen finden sich auch auf der Internetseite http://www.via-bus.de/beteiligungsprozess-farmsen/. Die Umsetzung der sich aus dem Beteiligungsprozess ergebenden Maßnahmen soll voraussichtlich ab 2023 erfolgen.

“Der U-Bahnhof Farmsen wartet schon seit einiger Zeit auf eine Umgestaltung aufgrund der heutigen Verkehrsmengen. Mehr Bus, mehr Rad- und Fußverkehr benötigen mehr Platz. Ganz konkret werden Parkbuchten für Busse benötigt, es gibt entweder gar keine oder zu schmale Radwege und Fußgänger müssen sich mitunter den zu geringen Platz auch noch mit dem Radverkehr teilen. Nicht zuletzt muss auch der Automobilverkehr abgewickelt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Beteiligungsverfahren aufgeschoben werden. Da die Pandemie nicht in naher Zukunft überstanden sein wird, werden die Beteiligungsformate aktuell angepasst und sollen im Sommer fortgeführt werden. Danach kann die Umsetzung weiter geplant und vorangetrieben werden”, sagt Lars Pochnicht.

Weitere Informationen

Schriftliche Kleine Anfrage “MetroBus-Linie 26 und BiDiMoVe” und Antwort des Senats vom 2. Februar 2021 (Drucksache 22/2957): https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/74225/metrobus_linie_26_und_bidimove.pdf