Die Busanlage am Bahnhof Rahlstedt in der Amtsstraße ist auf Dauer zu klein für die vielen Busse, die dort ankommen und abfahren. Taktverdichtungen, größere Fahrzeuge und neue Linien im Zuge des Hamburg-Taks erfordern mehr Kapazität. Fahrgäste bemängeln zudem die mangelnde Barrierefreiheit. Im Zuge des Baus der neuen S-Bahn-Linie S4 nach Rahlstedt soll deshalb die Kapazität der Busanlage durch einen Neubau erhöht und die komplette Barrierefreiheit hergestellt werden. Nun liegen die Pläne dafür vor.

Neue Busanlage bis zur Inbetriebnahme der S4

Im Rahmen des 2. Planungsabschnitts der Linie S4 von Hamburg nach Bad Oldesloe soll auch die Busanlage Rahlstedt, die bereits an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit betrieben wird, von Grund auf erneuert werden. Ziel ist es, dass die neue Busanlage die Kapazitätsbedarfe, die sich aus dem künftigen Fahrgastaufkommen nach Inbetriebnahme der neuen S-Bahn-Linie S4 und dem Zielkonzept der Untersuchungen zum Hamburg-Takt für den Bereich Amtsstraße ergeben, erfüllt. Deshalb wird mit dem Neubau eine deutliche Erhöhung der Kapazität der Busanlage angestrebt.

„Busse und Bahnen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die Fahrgastzahlen des HVV sind zwischen 2005 und 2019 um 37,1 Prozent gestiegen und mit der Umsetzung des Hamburg-Takts wollen wir diese Entwicklung im Sinne der Mobilitätswende für den Klimaschutz noch weiter befördern. Der Hamburg-Takt erfordert mehr Kapazität für mehr und größere Busse, um den Umstieg auf Bus und Bahn weiter zu fördern“, sagt Buschhüter und fügt hinzu: „Und auch die neue S-Bahn-Linie S4 wird dem öffentlichen Verkehr in Rahlstedt einen deutlichen Schub nach vorn geben. Die S4 wird für ein deutlich besseres Angebot auf der Schiene im Hamburger Osten sorgen, mit einem dichten 10-Minuten-Takt, zusätzlichen Stationen und umsteigefreien Verbindungen über den Hamburger Hauptbahnhof hinaus. Prognostiziert wird nahezu eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen im Vergleich zum heutigen Betrieb der RB81. Mit dieser Entwicklung muss die Busanlage in der Amtsstraße Schritt halten.“

Komplette Barrierefreiheit mit Inbetriebnahme der S4

Auch die Unterführung zwischen dem ZOB in der Amtsstraße und dem Bahnsteigzugang bzw. der Busanlage im Doberaner Weg wird so nicht bleiben: Die Planungen der S4 am Bahnhof Rahlstedt sehen eine neue Personenunterführung am Südende des neuen S-Bahnsteigs vor, die wie bisher auch die beiden Busanlagen in der Amtsstaße und im Doberaner Weg miteinander verbinden wird – dann auch endlich komplett barrierefrei. Die derzeitige Planung sieht zur barrierefreien Erschließung der Personenunterführung Aufzüge im Bereich der Busanlage und zu den Bahnsteiganlagen vor.

„Der Busbahnhof an der Amtsstraße wurde Mitte der 1980er Jahre gebaut. Mit der schneckenförmigen Rampe auf den Bahnhofsvorplatz, die erhalten bleiben soll und gerade erst erneuert wurde, wurde eine nach damaligen Standards ausreichend barrierefreie Möglichkeit geschaffen, um von der Kellerebene auf die Platzebene zu gelangen. Nach heutigen Standards ist die Rampe allerdings zu steil und gilt nicht mehr als barrierefrei. Dieses Problem wird mit dem Bau der S4 gelöst. Dann kann man mittels Aufzügen barrierefrei zwischen den Bussen und der S4 umsteigen“, sagt Buschhüter.

Weitere Details der Planung für die neue Busanlage

Die neue Busanlage wird aus einer zentralen Mittelinsel mit vier Ankunftsbereichen bestehen. An zwei weiteren Bussteiginseln wird es zwei Ankunftsbereiche und zwei weitere Abfahrtsbereiche geben. Die zwei Ankunftsbereiche haben eine Länge von insgesamt 40 m (aktuell ein Ankunftsbereich mit einer Nutzlänge von 19 m) und die sechs Abfahrtsbereiche eine Länge von insgesamt 118 m (aktuell drei Abfahrtsbereiche mit einer Nutzlänge von insgesamt 65 m).

Im aktuellen Bestand gibt es laut Erläuterungsbericht zur Planung 9 Überliegerplätze für 5 Solobusse (12 m) und 4 Gelenkbusse (19 m), also mit einer Gesamtlänge von 136 m. Zukünftig wird es am ZOB Bf. Rahlstedt (Amtsstraße) laut Planung 12 Überliegerplätze für 5 Solobusse (12 m), 2 Gelenkbusse (19 m) und 5 Großraum-Gelenkbusse (21 m) geben, also mit einer Gesamtlänge von 203 m.

Die HOCHBAHN hatte als Planungsziel noch mehr Überliegerplätze vorgegeben (14 Überliegerplätze mit einer Gesamtlänge von 277 m), die jedoch in keiner der insgesamt untersuchten elf Varianten untergebracht werden konnten. Mehr Überliegerplätze wären nur noch zu Lasten des zukünftigen Umfangs der Ankunfts- und Abfahrtsbereiche gegangen. Hier sollten aber keine Abstriche gemacht werden. Bei Bedarf wären weitere Überliegerplätze in der Nachbarschaft zu schaffen. Der Erläuterungsbericht nennt hier als mögliche Fläche das benachbarte Post-Grundstück, was aber noch etwas ungewiss ist.

Die Busanlage wird barrierefrei sein. Hierfür werden in den Ankunfts- und Abfahrtsbereichen taktile Leitelemente für blinde und sehbehinderte Menschen eingebaut, außerdem Bussonderborde mit einer Höhe von mindestens 16 cm, die einen stufenlosen Einstieg in die Busse ermöglichen. Auch die Fußgängerfurten an den Knotenpunkten erhalten taktile Leitelemente. Alle Lichtsignalanlagen im Planungsbereich erhalten Zusatzeinrichtungen für Sehbehinderte.

Am Rande des Helmut-Steidl-Platzes wird es weiterhin einen Taxistand geben, allerdings zukünftig nur noch mit Platz für fünf Taxen. Die Planung enthält daher auch einen zweiten Taxistand im Ortskern Rahlstedt, der mit Platz für vier Taxen in der Hagenower Straße (hinter den Häusern Schweriner Straße 1-3) entstehen soll. Die acht Parkstände für Pkw wird es hier nicht mehr geben können, die bisherige ZOB-Umfahrt geht in der neuen Busanlage auf. Allerdings wird es am Rande der Busanlage, angrenzend an den Taxistand, eine Liefer- und Ladezone geben, die auch für den Hol- und Bringverkehr vom und zum Bahnhof genutzt werden kann.

Der zukünftige Zugang zur neuen Bahnhofsunterführung ist nicht Gegenstand der Planung für die neue Busanlage, aus dem Erläuterungsbericht gehen aber auch hierzu einige Informationen hervor. Danach soll es von der neuen Bahnhofsunterführung hinaus zur Busanlage neben einer festen Treppe und einem Aufzug möglicherweise auch eine Rolltreppe geben.

Sämtliche Fußwegebeziehungen bleiben wie im Bestand erhalten. Allerdings wird es zukünftig auch möglich sein, die Busanlage vom Helmut-Steidl-Platz aus ebenerdig zu erreichen. Hierfür wird am nördlichen Ende der großen Mittelinsel eine ebenerdige Fußgängerfurt vorgesehen, die direkt zu einem weiteren Zugang (Treppe und Aufzug) zur neuen Bahnhofsunterführung und zum Taxistand führen wird.

Die Planung erstreckt sich außerdem auf die Kreuzung Rahlstedter Bahnhofstraße/Amtsstraße, die insbesondere mit Blick auf den Radverkehr optimiert wird. Außerdem: Statt bislang sieben wird es zukünftig 27 Fahrradabstellplätze geben. Hinzu kommen zwei neue Bike+Ride-Doppelstockgaragen zum Abstellen von insgesamt 48 Fahrrädern.

Da der Bereich der Busanlage komplett überlang und umgebaut wird, können die meisten dortigen Bäume nicht erhalten werden. Von den 26 Bäumen im Planungsbereich müssen 19 gefällt werden, vor Ort ist Platz für elf Neupflanzungen.

Weitere Informationen

Die Planungsunterlagen für den Neubau der Busanlage ZOB Bf. Rahlstedt (Amtsstraße) können unter folgendem Link eingesehen werden: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1017157


Dieser Beitrag erschien erstmals am 30. August 2022 und wurde am 18. September 2022 um den Abschnitt „Weitere Details der Planung für die neue Busanlage“ ergänzt.