Über den Bau der S4, der neuen S-Bahn-Linie nach Rahlstedt und darüber hinaus bis Bad Oldesloe kursieren viele Halbwahrheiten. Die Zeitschrift “Rahlstedter Leben” hat mir hierzu im Rahmen eines Faktenchecks einige Fragen gestellt. Die Fragen und meine Antworten erschienen in der Ausgabe 3/2019. Wer “Rahlstedter Leben” nicht erhalten hat, kann hier alles nachlesen:

Wann beginnt der Fahrbetrieb der S4?

Die Gesamtinbetriebnahme der S4 ist für Ende 2027 geplant, im Jahre 2025 bereits eine Teilinbetriebnahme der S4 von/bis Rahlstedt. Das heißt also, wir können bereits in knapp sechs Jahren von Rahlstedt via Hauptbahnhof nach Altona durchfahren, ohne umsteigen zu müssen.

Wann beginnen die Umbauarbeiten?

Die Bauarbeiten werden in der Winterperiode 2019/2020 beginnen, sofern das Baurecht vorliegt. Zunächst geht es um bauvorbereitende Maßnahmen, wie zum Beispiel Grunderwerb, Grünrückschnitt und Rodungen, um Vorbereitungen für die Leitungskreuzungen Dritter (z.B. Trink- und Abwasser) sowie um die vorgeschriebene Suche nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg und die weitere Baufeldfreimachung. Ab 2020 schließen sich dann die Hauptbaumaßnahmen, wie zum Beispiel den ersten Umbauten an Brückenbauwerken, an.  

Wo wird umgebaut?

Zunächst werden ab der Winterperiode 2019/2020 die Bauarbeiten nur im Planfeststellungsabschnitt 1 (Hasselbrook-Luetkensallee) durchgeführt. Hier erstrecken sich die Umbauten an der gesamten Eisenbahnstrecke. Die Planfeststellungsabschnitte 2 und 3 werden folgen, sobald der Planfeststellungsbeschluss (=Baurecht) für diese Abschnitte vorliegt.

Wieviele zusätzliche Haltstellen wird es geben? Welche?

Im Zuge der Bauarbeiten werden im Hamburger Stadtgebiet vier neue Stationen (Wandsbek Rathaus, Bovestraße, Holstenhofweg, Am Pulverhof) und in Schleswig-Holstein eine neue Station (Ahrensburg-West) errichtet. Zusätzlich zu den neuen Stationen werden sieben Stationen in Hamburg und im Kreis Stormarn S-Bahn-tauglich umgebaut. Hierbei handelt es sich um die Stationen Tonndorf, Rahlstedt, Ahrensburg, Ahrensburg-Gartenholz, Bargteheide, Kupfermühle und Bad Oldesloe. Die Station Wandsbek wird aufgegeben. In Ahrensburg-West gibt es dann künftig eine Verknüpfung mit der U1, und über die Haltestelle Wandsbek Rathaus sind endlich der ZOB Wandsbek Markt, die Einkaufsmeile und das Bezirksamt mit einem kurzen Fußmarsch zu erreichen.

Wird es Einschränkungen für den Fahrbetrieb der RB81 in der Umbauzeit geben?

Die lange Bauzeit erklärt sich auch dadurch, dass der Betrieb der RB81 während der S4-Bauzeit weitestgehend aufrechterhalten bleiben soll. Während der Bauzeit ist mit gelegentlichen vorübergehenden Einschränkungen zu rechnen.

Von wo nach wo fährt die S4?

Die S4 wird zwischen Hamburg-Altona und Bad Oldesloe fahren. Zwischen Hasselbrook und Ahrensburg-Gartenholz erhält sie hierfür eigene Gleise. Von Ahrensburg-Gartenholz bis Bad Oldesloe wird sie die vorhandenen Fernbahngleise und von Hasselbrook bis Hamburg-Altona die vorhandenen S-Bahn-Gleise (über den City-Tunnel) nutzen und dort an allen Haltestellen (z.B. Berliner Tor und Jungfernstieg) halten.

In welcher Taktung wird die S4 ab Rahlstedt fahren?

Die S4 wird über weite Teile des Tages zwischen Hamburg-Altona und Rahlstedt im 10-Minuten-Takt fahren.

Die RB81 braucht ab Rahlstedt laut Fahrplan 17 Minuten zum Hbf. Wie lange braucht die S4?

Laut Fahrplanentwurf braucht die S4 von Rahlstedt zum Hauptbahnhof 18 Minuten. Eine höhere Beschleunigung der S-Bahn-Züge und kürzere Haltezeiten an den Stationen (schnellerer Fahrgastwechsel durch mehr Türen) machen dies trotz zusätzlicher Haltestellen möglich. Insgesamt werden sich die Reisezeiten verkürzen. Einige Beispiele: 

  • Wer zum Jungfernstieg will, kann mit der S4 künftig durchfahren. Statt – je nach Anschluss – mindestens 25 Minuten mit RB81 und S-Bahn heute ist man dann von Rahlstedt zum Jungfernstieg mit der S4 nur 22 Minuten unterwegs – umsteigefrei.
  • Wer bislang vom Pulverhof erst einmal mit dem Bus nach Tonndorf fährt, um dort dann in die RB81 einzusteigen, spart sich mit der S4 die Fahrt mit dem Bus und ist schneller am Ziel. 
  • Wer zum Flughafen will, spart sich in Hasselbrook das Treppensteigen mit schwerem Gepäck und kann zukünftig am selben Bahnsteig in die S1 umsteigen.
  • Und wer mal seinen Zug verpasst muss auf die nächste S4 nur 10 Minuten warten, auf die nächste RB81 wartet man heute meistens bis zu 30 Minuten. 

Mit wievielen Wagons fährt die RB81 und mit wievielen wird die S4 fahren?

Die RB81 fährt normalerweise mit fünf Doppelstock-Wagen. Die S4 wird mit bis zu 9 Wagen (so genannte Langzüge) fahren. Hierfür werden die Bahnsteige von vornherein in einer Länge von 210 Metern errichtet.

Wieviele Personen befördert die RB81 und wieviele Personen können mit der S4 mitfahren?

Ein 5-Wagen-Zug der RB81 bietet Sitzplätze für bis zu 550 Fahrgäste, ein 9-Wagen-Zug der S4 Sitzplätze für 570 Fahrgäste. Die RB81 fährt aber höchstens zwei bis vier Mal pro Stunde, die S4 hingegen sechs Mal pro Stunde. Im Ergebnis gibt es so pro Stunde mit der S4 bis zu 3.420 Sitzplätze, mit der RB81 derzeit nur maximal 2.200 Sitzplätze. Das sind über 1.200 Sitzplätze pro Stunde mehr. Hinzu kommen bis zu 800 Stehplätze pro S4-Langzug für kurze Strecken.

Wann fährt morgens die erste S4 und wann fährt abends die letzte S4? Wochentags und Wochenende?

Der S4-Fahrplanentwurf sieht derzeit die erste Fahrt ab Rahlstedt Richtung Innenstadt um 4:15 Uhr (montags bis sonntags) und die letzte Fahrt um 0:46 Uhr ab Hauptbahnhof Richtung Rahlstedt vor. So wie auf allen anderen Hamburger U- und S-Bahn-Strecken wird es auch auf der S4 in Wochenendnächten einen durchgehenden Betrieb geben, während die RB81 in Wochenendnächten derzeit beispielsweise nur um 0:55 Uhr und 2:55 Uhr ab Hauptbahnhof fährt.

Warum rechnen Sie mit höheren Fahrgastzahlen ab Rahlstedt für die S4 als für die RB81? Wo kommen diese Menschen auf einmal her?

Durch den verlässlichen und regelmäßigen 10-Minuten-Takt: Er ermöglicht eine viel bessere Verknüpfung mit den Buslinien vom/nach Bf. Rahlstedt. Außerdem wird durch die zusätzlichen Haltestellen dichter an den Wohnorten oder dem Arbeitsplatz und durch umsteigefreie Verbindungen über den Hauptbahnhof hinaus die Schienenanbindung Rahlstedts mit der S4 im Vergleich zur RB81 deutlich attraktiver.

Dies alles schlägt sich in zusätzlichen Fahrgästen nieder, die bereit sind, das eigene Auto stehen zu lassen, wenn das Bahnangebot ihren Erwartungen entspricht. Bei allen bisherigen Erweiterungen des Hamburger S-Bahnnetzes, ob nach Stade oder zum Flughafen, kann man diese umwelt- und klimapolitisch sehr positive Entwicklung beobachten.

Wenn die S4 kommt werden die Gleise der RB81 frei für mehr Güterverkehr … in dem Zusammenhang fürchten viele Bewohner, dass auch Atommüll durch Rahlstedt transportiert wird. Mit wieviel mehr Güterzügen ist zu rechnen und was werden diese Güterzüge transportieren?

Die Prognose 2025 des Bundesverkehrsministeriums unterstellt 121 Güterzüge auf der Strecke Lübeck-Hamburg. Heute sind es 36 Güterzüge. Ob diese tatsächlich kommen, ist völlig unabhängig von der Frage, ob die S4 gebaut wird oder nicht. Denn für mehr Güterverkehr bietet auch die vorhandene zweigleisige Strecke noch viel Platz. Die Kapazitätsprobleme des Hauptbahnhofs tangieren den Güterverkehr nicht. 

Grundsätzlich besteht der Wunsch der Bevölkerung und der Politik, dass mehr Güter mit der Bahn statt mit dem LKW befördert werden, um so die Umwelt und das Klima zu schonen. Laut Eisenbahn-Bundesamt sind etwa 17 % der auf der Schiene beförderten Güter Gefahrgut. Der Gefahrguttransport auf der Schiene ist statistisch gesehen 40mal sicherer ist als auf der Straße. Im Übrigen fallen bereits Silvesterartikel unter den Begriff des Gefahrguts. Eine Aussage welche Güter mit den Güterwagen transportiert werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. 

Den Transport von Atommüll durch Rahlstedt halte ich für Panikmache. Es gibt weder deutsche Atomkraftwerke nördlich von Rahlstedt, noch Atommüllendlager. Und Skandinavien wird unseren Atommüll ganz gewiss nicht haben wollen, genauso wenig wie wir deren. 

Grundsätzlich werden nicht nur die Güterzüge durch neue Bremsen leiser, sondern ein wesentlicher Bestandteil des S4-Projekts sind umfassende aktive Schallschutzmaßnahmen entlang der Strecke. Im Ergebnis wird der Bahnverkehr vergleichsweise leiser als heute.


Weitere Informationen

Die Ausgabe 3/2019 der Zeitschrift “Rahlstedter Leben” gibt es hier als Online-Ausgabe: https://www.yumpu.com/de/document/read/62799549/rahlstedter-leben-august-2019

Alle bisherigen Beiträge zum Thema S4 auf dieser Homepage finden Sie hier: https://www.buschhueter.de/bahn/

Die Deutsche Bahn stellt auf ihrer Website www.s-bahn-4.de weitere umfangreiche Informationen zum Projekt S4 zur Verfügung. Außerdem kann dort ein Newsletter abonniert werden, so dass man keine Neuigkeiten mehr verpasst: https://www.s-bahn-4.de/de/news-service/newsletter.html. Tipp: In einem Film wird das Projekt S4 und sein Nutzen für Hamburg und Schleswig-Holstein in 100 Sekunden anschaulich erklärt. Anklicken und anschauen: