Das Parken in Hamburg wird einfacher, komfortabler und digitaler. Am 7. Juli startet der Landesbetrieb Verkehr (LBV) in den Stadtteilen Harvestehude und Borgfelde/Hohenfelde/Uhlenhorst ein neues System. In diesen beiden Pilotgebieten werden Parkberechtigungen künftig digital erfasst und per Scan-Fahrzeug automatisch überprüft. Ziel ist es, die Zettelwirtschaft nach und nach in allen Bewohnerparkgebieten in Hamburg abzuschaffen. Das bedeutet konkret: rund 6,34 Millionen Parkausweise sollen nach und nach papierlos werden.
Dazu Ole Thorben Buschhüter, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg: „Mit der digitalen Parkraumüberwachung gehen wir einen weiteren Schritt hin zu einer modernen und effizienten Verwaltung. Im Januar hat die Hamburgischen Bürgerschaft das Gesetz zur digitalen Parkraumüberwachung beschlossen und damit den rechtlichen Rahmen dafür geschaffen. Wer ordnungsgemäß parkt, muss künftig keinen Parkschein mehr hinter die Windschutzscheibe legen. Die Angabe des Kennzeichens reicht aus. Das bedeutet das Ende der Zettelwirtschaft und weniger Bürokratie für die Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig können die vorhandenen Kontrollkapazitäten deutlich zielgerichteter eingesetzt werden. Wer ohne Parkberechtigung parkt, muss künftig häufiger damit rechnen, erwischt zu werden. Für die große Mehrheit, die sich an die Regeln hält, wird das Parken dagegen einfacher und komfortabler.“
In den Pilotgebieten brauchen die Parkausweise nicht mehr hinter die Windschutzscheibe gelegt werden. Dies gilt sowohl für Bewohnerparkausweise als auch für Parkscheine und für die Besucherparkausweise. Damit entfällt der Rückweg vom Automaten zum Auto, das Ausdrucken und das Bringen der Besucherparkausweise zum Auto. Auch Bewohnerparkausweise müssen in den Pilotgebieten nicht mehr ausgedruckt und hinterlegt werden. Diese Entbürokratisierung gilt zunächst in den gekennzeichneten Gebieten und wird nach und nach für alle Bewohnerparkgebiete freigeschaltet. Dadurch werden in Hamburg über 90.000 Vorgänge bei den Bewohnerparkausweisen, rund 450.000 Vorgänge bei den Besucherparkausweisen und 5,8 Millionen Vorgänge an den Parkscheinautomaten zukünftig papierlos und digital gestaltet. Das ist im Alltag eine echte Erleichterung: kein Ausdrucken, Suchen nach dem Ausweis, kein Vergessen oder Verrutschen, kein schlecht lesbarer Zettel hinter beschlagenen Scheiben. Wenn keine Parktickets mehr ausgedruckt werden müssen, werden 546 Kilometer an Papier eingespart – das ist in etwa die Strecke von Hamburg nach Prag.
Für Autofahrer gibt es dabei eine wichtige Neuerung: Wer am Automaten einen Parkschein kauft, gibt künftig wie beim Handyparken sein Kennzeichen ein. Damit wird das Kennzeichen und die Parkberechtigung beim LBV digital hinterlegt. Einen Parkschein zum Auslegen gibt es dann nicht mehr. Wer ein E-Auto mit E-Kennzeichen fährt, muss nur sein Kennzeichen in der App oder am Automaten eingeben und parkt weiterhin bis zur Höchstparkdauer kostenfrei. Die Kennzeichen sind digital in einer Datenbank hinterlegt. Die Überprüfung der Parkberechtigungen soll mit dem Einsatz von zunächst einem Scan-Fahrzeug effizienter erfolgen: Das Fahrzeug ist mit Kameras ausgestattet, und prüft während der Fahrt Parkberechtigungen und erkennt, wenn ein Auto falsch parkt. Das System gleicht die Kennzeichen automatisiert mit den Datenbanken für Parkberechtigungen ab; z. B. Bewohnerparkausweise, Handyparken, Ausnahmegenehmigungen. Ist ein Kennzeichen berechtigt, werden die Daten sofort gelöscht. Werden Fahrzeuge digital ohne Parkberechtigung erkannt, werden die Außendienstkräfte vom Landesbetrieb Verkehr diese – und nur diese Fahrzeuge – aufsuchen, um den Vorgang vor Ort zu überprüfen. Da bestimmte Parkberechtigungen wie etwa Schwerbehindertenparkausweise nicht kennzeichengebunden sind, ist dieser Schritt weiterhin erforderlich. Das Scan-Fahrzeug ist als solches gekennzeichnet. Auch die Gebiete, in denen es unterwegs ist, sind entsprechend ausgeschildert.
Mehr Kontrolle, mehr Sicherheit
Falsch geparkte Fahrzeuge versperren die Sicht an Kreuzungen, blockieren Feuerwehrzufahrten, zwingen Radfahrende auf die Fahrbahn. Eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zeigt: Bis zu 18 Prozent der innerörtlichen Unfälle mit Fußgänger:innen und Radfahrenden lassen sich auf Parkvorgänge zurückführen. Konsequentes kontrollieren führt dazu, dass besser geparkt wird und reduziert damit Unfallursachen messbar.
Personal gezielter einsetzen
Scan-Fahrzeuge verändern, wie die Arbeit unserer Mitarbeitenden aussieht. Statt jedes Fahrzeug einzeln zu Fuß zu kontrollieren, können sich die Außendienstkräfte auf die Fälle konzentrieren, bei denen tatsächlich etwas nicht stimmt. Das bedeutet, dass die Verwaltung effizienter und moderner wird. Das senkt die Kosten für den Steuerzahler.
Wo ist das erste Fahrzeug unterwegs?
Das Pilotprojekt läuft in folgenden Quartiersparkgebieten:
- E304 Innocentiapark
- E305 Isestraße
- E306 Klosterstern
- E307 Tennisstadion
- N109 Hofweg
- N110 Feenteich
- N111 Uhlenhorster Weg
- N112 Schwanenwik
- N113 Lübecker Straße
- M111 Borgfelde
Eine Karte der Pilotgebiete sowie eine Übersicht aller Hamburger Quartiersparkzonen finden Sie unter hamburg.de/go/digipark.
Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind geschaffen: Hamburg hat bereits im Januar 2026 ein eigenes Gesetz zum digitalen Parkraummanagement beschlossen, ab dem 1. Juli 2026 gilt dann die bundesweite Regelung im Straßenverkehrsgesetz.
Der Datenschutz ist berücksichtig: Die Kameras sind so ausgerichtet und konfiguriert, dass ausschließlich Kennzeichen und Standorte parkender Fahrzeuge erfasst werden.
Auch bei den Daten gilt das Prinzip der Sparsamkeit: Kennzeichenangaben werden nach Ablauf der Parkberechtigungsdauer zum Tagesende gelöscht. Daten aus der Videokontrolle werden unmittelbar nach dem Abgleich mit den Parkberechtigungen gelöscht – es sei denn, es liegt der Verdacht einer Ordnungswidrigkeit vor. In diesem Fall bleiben sie bis zum Abschluss des Verfahrens gespeichert.
Der Pilot entspricht den Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung und des Bundesdatenschutzgesetzes. Vor und während des Betriebs erfolgt eine enge Abstimmung mit dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.
Als kleiner Denkanstoß aus Frankfurt, dort Fotografieren die Busse und Straßenbahn auch Falsch Parker, und die auf Busspuren stehen z.b an sich ist es ne Gute Idee
Für Falschparker in Busbuchten oder in zweiter Reihe, wenn der Busverkehr dadurch behindert wird, finde ich das eine interessante Idee. Alles andere sollte man aber der Polizei bzw. dem Ordnungsdienst überlassen.
Moin Herr Buschhüter,
verstehe ich Ihre Zeilen richtig, dass auf alle Parkplätze in ganz Hamburg in den nächsten Monaten / Jahren das Videoparken ausgedehnt wird?
Gruß
Gerhard
Zunächst einmal findet ein Pilotprojekt in vier Stadtteilen und deren Bewohnerparkgebieten statt. Kontrolliert wird also nur dort, wo Parken nur mit Parkschein oder Parkausweis erlaubt ist. Im nächsten Schritt ist die Ausweitung auf alle Bewohnerparkgebiete
vorgesehen. Im Stadtteil Rahlstedt gibt es keine Bewohnerparkgebiete und auch sonst keine parkgebührenpflichtigen Parkstände. In einem späteren Schritt sollen die Scan-Autos z.B. auch Falschparker auf Gehwegen, Radfahrstreifen oder Feuerwehrauffahrten erkennen können. Dann wäre die Technik auch für Rahlstedt von Interesse.