Die Deutsche Bahn plant nicht nur den Bau der S4, sondern seit letztem Sommer auch den Ausbau der Bahnstrecke Lübeck – Bad Kleinen. Bis 2018 soll der zweigleisige Ausbau dieser Bahnstrecke einschließlich ihrer Elektrifizierung planerisch vorbereitet werden. Das Ausbauvorhaben beinhaltet auch die Errichtung einer Verbindungskurve westlich des Bahnhofs Bad Kleinen, die direkte Fahrten in der Relation Lübeck – Schwerin ermöglicht. Aber was hat das alles mit Rahlstedt zu tun?

Mit der Elektrifizierung der ca. 50 km lange Strecke zwischen Lübeck und Bad Kleinen sowie dem Bau der Verbindungskurve zwischen Bobitz, Bad Kleinen und Lübstorf, durch die ein Fahrtrichtungswechsel in Bad Kleinen entfällt, kann eine großräumige Umfahrung des stark belasteten Eisenbahnknoten Hamburgs geschaffen werden, insbesondere für den Güterverkehr der Relation Skandinavien – Deutschland – Mittel- bzw. Südeuropa. „Güterzüge in und aus Richtung Skandinavien, die nach seiner Fertigstellung den Fehmarnbelttunnel nutzen, aber nicht Hamburg als Quelle oder Ziel haben, müssen dann nicht über die Strecke Lübeck – Hamburg und damit nicht durch Rahlstedt geleitet werden, sondern können Hamburg umfahren. Deswegen ist dieses Projekt auch für Rahlstedt von großem Interesse“, sagt der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter.

Das Planungsvorhaben ist Bestandteil des Sofortprogramms „Seehafenhinterlandverkehr II“, das Bundesverkehrsminister Dobrindt bereits am 7. Juli 2015 beim Unternehmertag in Kiel angekündigt hatte. Wie geht es nun weiter? Wie die Bahn auf Nachfrage mitteilte, wurde bereits am 17. Juli 2015 eine Finanzierungsvereinbarung vom Bundesverkehrsministerium unterzeichnet. Die Bahn hat daraufhin bereits mit den Arbeiten begonnen. Wichtig ist aber auch: Die Finanzierungsvereinbarung beinhaltet für das Projekt Lübeck-Bad Kleinen zunächst nur den Auftrag zur Erstellung einer Vorplanung (Leistungsphasen 1 + 2 der HOAI), nicht auch bereits den Bau. Eine Entscheidung darüber muss später getroffen werden, genauso wie beim Projekt S4, das sich derzeit in den Leistungsphasen 3 und 4 (Entwurfs- und Genehmigungsplanung) befindet.

„Der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke Lübeck-Hamburg zwischen Ahrensburg und Hasselbrook wird dadurch übrigens nicht entbehrlich“, sagt Buschhüter. Denn eine S-Bahn-Verbindung, die bis Ahrensburg im 10-Minuten-Takt fährt, an zusätzlichen Haltestellen hält und über den Hauptbahnhof wenigstens bis Altona verkehrt, braucht hierfür zwingend zwei eigene Gleise. Nur dort, wo die S4 seltener fährt, also hinter Ahrensburg und hinter Bargteheide, kann sie auf den vorhandenen Gleisen mitfahren. Nur eine S-Bahn, die in Ahrensburg und Rahlstedt in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt fährt, wird den immer stärker zuwachsenden Pendlerströmen aus dem Hamburger Umland gerecht. Und nur durch die S4 können die begrenzten Kapazitäten des Hamburger Hauptbahnhofs besser ausgeschöpft werden. Deswegen ist es das politische Ziel der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg, die S4 zu bauen.