Noch ist der erste S4-Zug gar nicht gefahren, geschweige denn mit dem Bau der neuen S-Bahn-Linie begonnen worden, doch die Bahn rechnet schon jetzt mit mehr Fahrgästen, als bislang angenommen. In der Planung werden daher jetzt für alle Stationen Bahnsteige vorgesehen, an denen Langzüge mit 9 Wagen (210 Meter) halten können. Das bestätigte der Senat auf eine Kleine Anfrage des Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter.

Bislang waren die längeren Bahnsteige nur optional vorgesehen, um sie bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt verlängern zu können. „Ich bin überzeugt von dem Projekt S4 und gehe davon aus, dass die Fahrgastprognosen schnell von der Realität eingeholt werden, wenn die neue S4 frühestens 2024 ihren Betrieb aufnimmt. Bei der S3-Verlängerung nach Stade war das auch der Fall, bei der Flughafen-S-Bahn ebenso. Mich wundert daher nicht, dass schon im Vorfeld neuere Prognosen von höheren Fahrgastzahlen ausgehen. Deshalb ist es die richtige Entscheidung, von vornherein Langzug-Bahnsteige vorzusehen und zu bauen, um auf eine höhere Fahrgastnachfrage mit längeren Zügen reagieren zu können“, sagt Buschhüter.

Mittlerweile ist die Genehmigungsplanung für alle drei Planfeststellungsabschnitte fertiggestellt, für den ersten Abschnitt (Hasselbrook bis Luetkensallee) auch schon die Entwurfsplanung. Für die Abschnitte 2 (Luetkensallee – Landesgrenze) und 3 (Landesgrenze bis Ahrensburg) wird die Entwurfsplanung voraussichtlich Ende des Jahres 2018 bzw. im 1. Quartal 2019 abgeschlossen, so der Senat in seiner Antwort. Für den Planfeststellungsabschnitt 1 waren im letzten Frühjahr die Einwendungen der Bürger und Stellungnahmen der Behörde im so genannten Erörterungstermin, der mehrere Tage dauerte, besprochen worden. Mindestens eine Einwendung eines Bürgers wandte sich gegen die aus seiner Sicht zu kurz geplanten Bahnsteige. Dem wird mit der Änderung der Planung abgeholfen.

Nach dem Erörterungstermin wird jetzt der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt 1 vorbereitet. Er ist quasi die Baugenehmigung für die S4 in diesem Abschnitt. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass der Planfeststellungsbeschluss im ersten Quartal 2019 vorliegen wird. „Die Länder haben für die S4 bereits 70 Millionen Euro Planungsmittel bereitgestellt und die aufwändige Planung mit Hochdruck vorangetrieben: Die Planung der DB kommt gut voran, alle drei Planfeststellungsabschnitte befinden sich mittlerweile im Verfahren beim Eisenbahn-Bundesamt“, freut sich Buschhüter.

Wie der Senat außerdem antwortete, erfolgt derzeit für das Projekt S4 eine Betrachtung der grundsätzlichen Auswirkungen einer Umstellung der Signalplanung auf den Standard des Europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System). Eine abschließende Entscheidung der DB AG liege aber noch nicht vor. „Alle reden von ETCS, auch bei der Hamburger S-Bahn. Langfristig ist geplant, das gesamte Hamburger S-Bahn-Netz mit ETCS zu digitalisieren. Da wäre es doch nur konsequent, Neubaustrecken von vornherein damit auszustatten, anstatt weiterhin auf konventionelle Signale zu setzen“, meint Buschhüter.

Hinsichtlich der Finanzierung des Projekts S4  laufen weiterhin die Verhandlungen zwischen den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein einerseits und dem Bund andererseits. Laut Senatsantwort wird bis Ende 2018 eine Einigung angestrebt. Bei der Festlegung der Finanzierungsanteile von Bund und Ländern spielt eine entscheidende Rolle, wie die verschiedenen Nutzenkomponenten des Projekts S4 (Nahverkehr einerseits, Güter- und Fernverkehr andererseits) berücksichtigt werden und anteilig den Ländern (Nahverkehr) und dem Bund (Güter- und Fernverkehr) zugeordnet werden.

Buschhüter: „Die S4 wird die Nahverkehrsanbindung in der Wachstumsregion Wandsbek/Stormarn deutlich verbessern. Die S4 ist aber deutlich mehr als nur ein Nahverkehrsprojekt: Sie ist das Mittel der Wahl, um die begrenzte Kapazität des Hamburger Hauptbahnhofs effizienter zu nutzen. Und sie wird zusätzliche Kapazitäten für den Fernverkehr und den Güterverkehr Richtung Lübeck und Skandinavien schaffen. Angesichts der voranschreitenden Planung ist es nun aber auch an der Zeit, dass sich der Bundesverkehrsminister zum für den Norden Deutschlands so wichtigen Projekt S4 bekennt, die Länder in ihrem Vorhaben unterstützt und auf dem aktuellen Planungsstand eine Finanzierungszusicherung seitens des Bundes abgibt. Was nützen sonst die Absichten des Bundesverkehrsministers zur Planungsbeschleunigung, wenn zielgerichtet vorangetriebene Planungen am Ende durch ausbleibende Finanzierungszusicherungen des Bundes doch nicht zeitgerecht umgesetzt werden können?“

Schriftliche Kleine Anfrage “Planung der S-Bahn-Linie S4 von Hamburg nach Bad Oldesloe (IV)” und Antwort des Senats vom 24. Juli 2018: https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/63190/.pdf

Über das Projekt S4

Die Strecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe ist eine der am meisten befahrenen Pendlerstrecken rund um die Hansestadt. Zwischen 2000 und 2010 hat die Anzahl der Reisenden auf diesem Abschnitt um 50 Prozent zugenommen. Um viele Bereiche im Osten der Stadt und das nordöstliche Umland besser anzubinden, soll die S4 gebaut werden – für zuverlässigere Verbindungen, weniger Umstiege und mehr Komfort. Auch der Hamburger Hauptbahnhof als bisheriges „Nadelöhr“ wird entlastet und der S-Bahnverkehr in die Innenstadt noch weiter verstärkt.

Das Projekt S4 beinhaltet den Bau einer zweigleisigen S-Bahn-Strecke von Hasselbrook bis Ahrensburg und den Bau einer eingleisigen S-Bahn-Strecke von Ahrensburg bis Ahrensburg-Gartenholz. Zwischen Hamburg-Altona und Hasselbrook soll sie die bereits vorhandenen S-Bahn-Gleise (S1/S11) mitnutzen, zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bad Oldesloe die bereits vorhandenen Fernbahngleise. Die S4 soll dann zwischen Hamburg-Altona und Ahrensburg in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt fahren, bis Bargteheide im 20-Minuten-Takt und bis Bad Oldesloe im Stundentakt. Für die S4 sollen zudem zusätzliche Haltestellen errichtet werden, in Hamburg sind das Wandsbek Rathaus, Bovestraße, Holstenhofweg und Pulverhof. Die RB81 würde durch die S4 ersetzt werden. So ergibt sich eine bessere Ausnutzung der beschränkten Kapazitäten des Hamburger Hauptbahnhofs, dessen Fern- und Regionalbahnteil überlastet ist, während die S-Bahn-Gleise noch zwei weitere Linien, eine davon die S4, aufnehmen können. 2020 soll mit dem Bau begonnen werden, 2024 eine Teilinbetriebnahme bis Rahlstedt erfolgen. 2027 soll das Gesamtprojekt bis Bad Oldesloe fertiggestellt sein.

Die Deutsche Bahn stellt auf ihrer Website www.s-bahn-4.de weitere umfangreiche Informationen zum Projekt S4 zur Verfügung. Außerdem kann dort ein Newsletter abonniert werden, so dass man keine Neuigkeiten mehr verpasst: https://www.s-bahn-4.de/de/news-service/newsletter.html. Tipp: In einem Film wird das Projekt S4 und sein Nutzen für Hamburg und Schleswig-Holstein in 100 Sekunden anschaulich erklärt. Anklicken und anschauen: