Die Planung der neuen S-Bahn-Linie S4 nach Bad Oldesloe geht voran: In dieser Woche haben in Hamburg Vermessungen sowie Boden- und Grundwasseruntersuchungen im künftigen Trassenbereich begonnen. Diese so genannten Baugrundsondierungen finden sowohl auf bahneigenen und städtischen als auch auf 130 Hamburger Privat-Grundstücken statt und werden bis Mitte Juni 2015 dauern, erfuhr der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter durch eine Kleine Anfrage an den Hamburger Senat. „Die Planung der S4 macht gute Fortschritte. Ziel ist es, bis Ende nächsten Jahres die Planfeststellungsunterlagen für einen ersten Planfeststellungsabschnitt fertiggestellt zu haben“, sagt Buschhüter. Weitere Untersuchungen zu Schall und Erschütterungen sowie zur Umweltverträglichkeit werden folgen.

Die Baugrundsondierungen sind Teil der Entwurfs- und Genehmigungsplanung zum Bau der S4, mit der im Frühjahr durch die beauftragte DB ProjektBau begonnen wurde. Zuvor war Ende 2013 die Vorplanung fertiggestellt worden. „Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung dient dazu, die Antragsunterlagen für das anschließende Planfeststellungsverfahren zu erarbeiten und die Länder und den Bund in die Lage zu versetzen, eine Entscheidung zu treffen, ob die S4 tatsächlich gebaut wird“, sagt Buschhüter. Für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung sind 32 Mio. Euro veranschlagt, an denen sich die Europäische Union mit 14,6 Mio. Euro beteiligt, den Rest teilen sich Hamburg und Schleswig-Holstein.

Nach derzeitigem Stand wird in den Jahren 2014/2015 der Trassierungsentwurf erstellt, der auch die Übersichtspläne, die Lagerpläne, das Bauwerksverzeichnis, das Grunderwerbsverzeichnis, die Grunderwerbspläne, Übersichtpläne von Brücken sowie den Erläuterungsbericht beinhaltet. Des Weiteren werden die Umweltverträglichkeitsstudie und der landschaftspflegerische Begleitplan angefertigt. Darüber hinaus werden die Vermessung, die Boden- und Grundwasseruntersuchungen, die schalltechnische Untersuchung, die Erschütterungsuntersuchungen und ein Gutachten für die Stationen durchgeführt. Bis Ende des Jahres 2015 sollen gemäß dem Förderbescheid der Europäischen Union die Planfeststellungsunterlagen für einen ersten Planfeststellungsabschnitt fertiggestellt sein. In den Jahren 2016 bis 2018 soll dann das Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, an dessen Ende quasi die Baugenehmigung für das Vorhaben steht. Ab 2018 könnten dann die Bauarbeiten für die S4 beginnen.

Im Rahmen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung wird auch die Information der Öffentlichkeit über das große Bahnprojekt für den Osten Hamburgs ausgeweitet: Neben den bereits bestehenden Internetauftritten von Schleswig-Holstein (http://www.nah.sh/s4) und der DB AG, wird auch eine Internetpräsenz auf der Homepage http://www.hamburg.de vorbereitet. Es sind weitere Projektbroschüren, Themenflyer, Newsletter, Plakate, Anzeigen, Infostellen sowie Presseeinladungen und Pressemitteilungen vorgesehen, so der Hamburger Senat in seiner Antwort. Ab der zweiten Jahreshälfte 2015 sind vor Beginn der Einleitung der Planfeststellungsverfahren für jeden Planungsabschnitt Informationsveranstaltungen geplant. Zudem werden auch direkte Gespräche mit Anwohnerinitativen geführt bzw. wurden Gespräch angeboten. Über die anstehenden Baugrunduntersuchungen werden die Anwohner derzeit mit einem Schreiben, dem auch ein allgemeiner Flyer beiliegt, informiert.

„Die S4 wird für den Bezirk Wandsbek und den Kreis Stormarn von großem Nutzen sein“, ist sich Buschhüter sicher und ergänzt: „Nur mit einer S-Bahn auf eigenen Gleisen kann in der Hauptverkehrszeit ein 10-Minuten-Takt angeboten werden, mit zusätzlichen Haltestellen und umsteigefreien Verbindungen über den Hauptbahnhof hinaus bis Altona. Außerdem reduziert sich durch die eigenen Gleise die Abhängigkeit vom Güter- und Fernverkehr. Und schließlich lassen sich mit dem Takt der S4 auch die Anschlüsse zwischen Bahn und Bus viel besser koordinieren. Die Verkehrsanbindung des größten Hamburger Stadtteils Rahlstedts wird sich durch die S 4 erheblich verbessern, daneben profitiert die ganze Stadt von der S4, weil durch den Wegfall der R10-Regionalbahnzüge im Hauptbahnhof Platz geschaffen wird für andere Verbindungen. Bessere Lärmschutzanlagen als bisher werden zudem den Anwohnern zugute kommen.“

Die S4 heißt konkret: Im Bahnhof Hasselbrook werden aus der vorhandenen S-Bahn-Strecke (S1/S11) zwei S-Bahn-Gleise ausgefädelt, die bis Ahrensburg parallel zur vorhandenen Bahnstrecke verlaufen. Zwischen Ahrensburg und Bargteheide geht es dann mit einem separaten S-Bahn-Gleis weiter, von dort bis Bad Oldesloe soll die S4 auf der Fernbahnstrecke fahren. Die S4 würde dann zwischen Altona und Bad Oldesloe verkehren. So ergeben sich direkte Verbindungen zwischen Rahlstedt und zum Beispiel Jungfernstieg oder Landungsbrücken, der Umsteigezwang im Hauptbahnhof entfällt. Bis Ahrensburg soll es einen 10-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit geben, sonst 20-Minuten Takt, also deutlich mehr Fahrten als bisher – und passend zu den vielen Buslinien. Zusätzliche Haltestellen (in Hamburg: Claudiusstraße, Bovestraße (statt Wandsbek), Holstenhofweg und Pulverhof) sollen das Einzugsgebiet der S 4 noch besser erschließen. Die Fahrzeit wird trotz der zusätzlichen Haltestellen nur unwesentlich länger. 22 Minuten soll die Fahrt von Rahlstedt zum Jungfernstieg mit der S 4 dauern. Derzeit braucht man für die Strecke (mit Umsteigen) rund 24 Minuten.