Mit der Inbetriebnahme der neuen S-Bahn-Linie S4 nach Bad Oldesloe werden sich die Fahrgastzahlen auf der bislang von der Regionalbahn-Linie RB81 befahrenen Strecke weit mehr als verdoppeln. Mit der S4 werden deutlich mehr Pendler als bisher auf die umweltfreundliche Bahn umsteigen. Dies geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter hervor. 

Für die gesamte neue S-Bahn-Linie S4 (Hamburg-Altona – Jungfernstieg – Hamburg Hbf. – Bad Oldesloe) werden für das Jahr 2030 werktäglich 97.100 Linienbeförderungsfälle (Anzahl aller Fahrten, die Fahrten auf einer Linie vornehmen) prognostiziert. Mit der RB81, die derzeit zwischen Hauptbahnhof und Bad Oldesloe pendelt und die von der S4 abgelöst werden soll, fuhren 2018 hingegen 24.500 Fahrgäste, so der Senat.

Die Senatsantwort gibt darüber hinaus Auskunft über die prognostizierten Ein- und Aussteiger an den Bahnhöfen und Haltepunkten auf dem Streckenabschnitt Bad Oldesloe – Wandsbek Rathaus (Claudiusstraße). Für den weiteren Streckenverlauf Hasselbrook – Altona ist aufgrund der Überlagerung dieses Abschnitts mit den anderen dort verkehrenden Linien S1, S11, S2 und S3 eine Zuordnung auf die S4 schwierig. Hieraus ergibt sich folgendes Bild:

Bahnhof/HaltepunktEin- und
Aussteiger
Zuwachs
RB81S4absolutprozentual
Bad Oldesloe2.0003.700+1.700+85%
Kupfermühle200600+400+200%
Bargteheide4.0005.500+1.500+38%
Ahrensburg-Gartenholz1.6001.900+300+19%
Ahrensburg6.8009.300+2.500+37%
Ahrensburg-Westneu4.200+4.200
Rahlstedt9.80017.000+7.200+73%
Am Pulverhofneu5.300+5.300
Tonndorf3.5007.500+4.000+114%
Holstenhofwegneu4.600+4.600
Bovestraßeneu9.400+9.400
Wandsbek1.500entfällt-1.500
Wandsbek Rathaus (Claudiusstraße)neu2.600+2.600
Summe29.40071.600+42.200+144%

Ein erheblicher Fahrgastzuwachs geht auf die neuen Haltestellen zurück, die die Fahrgäste dichter an den Wohnquartieren abholen oder, wie im Falle der Stationen Holstenhofweg und Bovestraße, Busfahrgästen ermöglichen, eher auf die S4 umzusteigen, als erst den ganzen Weg bis zur U1-Haltestelle Wandsbek Markt zu fahren. Insgesamt ergeben sich für sie so deutlich kürzere Reisezeiten. Mit der S4, die im 10-Minuten-Takt fahren wird, gewinnt auch der Bahnhof Rahlstedt an Attraktivität und kann so deutlich mehr Fahrgäste als bisher mit der seltener fahrenden RB81 anziehen.

Bedenkt man, dass für die S-Bahn-Verlängerung nach Stade, ein vergleichbares Projekt, anfänglich ein Fahrgastzuwachs von 30% prognostiziert wurde, dann ist der summierte prognostizierte Zuwachs von 144% bei der S4 allein im Abschnitt Wandsbek Rathaus (Claudiusstraße) – Bad Oldesloe sehr außergewöhnlich. Zu bedenken ist außerdem, dass die Prognosezahlen bereits von 2014 stammen, eine aktuellere Prognose wird derzeit erarbeitet. Es ist zudem zu vermuten, dass die neue Prognose angesichts des allgemeinen Trends noch positiver ausfallen wird, als die Zahlen von 2014. Im Vergleich der Fahrgastzahlen der RB81 (Hamburg Hbf. – Bad Oldesloe, 24.500) mit den prognostizierten der S4 (Hamburg-Altona – Bad Oldesloe, 97.100) ergibt sogar mehr als eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen (+200%).

Ole Thorben Buschhüter, Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordneter: „Mit der S4 werden deutlich mehr Pendler als bisher auf die umweltfreundliche Bahn umsteigen. Dafür sorgen ein dichter 10-Minuten-Takt, zusätzliche Haltestellen näher an den Quartieren und umsteigefreie Verbindungen über den Hauptbahnhof hinaus. Die S4 ist daher ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz in unserer Stadt und zur Verkehrswende im Hamburger Osten, bei der öffentliche Verkehrsmittel eine viel größere Rolle spielen werden als bisher. Die Prognose macht deutlich, dass die S4 unverzichtbar ist, um deutlich mehr Pendlerinnen und Pendler zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen. Die Prognose der Fahrgastzahlen unterstreicht das enorme Potenzial dieser Strecke. Ich gehe davon aus, dass in der Realität auch diese Fahrgastprognose noch übertroffen werden wird. Bei der S3-Verlängerung nach Stade war das auch der Fall, bei der Flughafen-S-Bahn ebenso. Die S4 ist aber mehr als nur ein Nahverkehrsprojekt: Sie ist das Mittel der Wahl, um die begrenzte Kapazität des Hamburger Hauptbahnhofs effizienter zu nutzen. Und sie wird zusätzliche Kapazitäten für den Fernverkehr und den Güterverkehr in Richtung Lübeck und Skandinavien schaffen. Die S4 muss kommen: Jetzt und nicht irgendwann! Mehrere zehntausend zusätzliche Fahrgäste dürfen nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet werden. Im Winter sollen die ersten vorbereitenden Arbeiten beginnen, damit die S4 2025 den Betrieb auf dem ersten Abschnitt bis Rahlstedt aufnehmen kann.“

Die hohe Fahrgastprognose schlägt sich auch in Anpassungen in der S4-Planung nieder: Nachdem bereits vor einem Jahr bekannt wurde, dass die Bahnsteige von vornherein für den Einsatz von 9-Wagen-Zügen dimensioniert werden sollen (210 Meter), sollen nun auch bis auf Kupfermühle alle Stationen Bahnsteigdächer erhalten. Dort, wo auch vorher schon welche geplant waren, werden sie in der Regel länger, als anfangs geplant. 

Auch die Finanzierung des Baus der S4 befindet sich auf der Zielgeraden: Bereits Ende letzten Jahres verständigten sich der Bundesverkehrsminister, der Erste Bürgermeister, der schleswig-holsteinische Ministerpräsident und der Vorstand der Deutschen Bahn AG auf eine zügige Umsetzung des Projekts S4. Die Finanzierungsvereinbarungen sollen noch in diesem Jahr final abgeschlossen werden. Zuvor werden im 2. Halbjahr 2019 noch die Parlamente von Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligt.

Schriftliche Kleine Anfrage “Planung der S-Bahn-Linie S4 von Hamburg nach Bad Oldesloe (V)” und Antwort des Senats vom 12. Juli 2019 (Drucksache 21/17736): https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/67338/planung_der_s_bahn_linie_s4_von_hamburg_nach_bad_oldesloe_v.pdf

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde im Nachgang zu einer Berichtigung der Senatsantwort vom 5. August 2019 am 7. August 2019 aktualisiert.

Hintergrund

Die Strecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe ist eine der am meisten befahrenen Pendlerstrecken rund um die Hansestadt. Zwischen 2000 und 2010 hat die Anzahl der Reisenden auf diesem Abschnitt um 50 Prozent zugenommen. Um viele Bereiche im Osten der Stadt und das nordöstliche Umland besser anzubinden, soll die S4 gebaut werden – für zuverlässigere Verbindungen, weniger Umstiege und mehr Komfort. Auch der Hamburger Hauptbahnhof als bisheriges „Nadelöhr“ wird entlastet und der S-Bahnverkehr in die Innenstadt noch weiter verstärkt.

Das Projekt S4 beinhaltet den Bau einer zweigleisigen S-Bahn-Strecke von Hasselbrook bis Ahrensburg und den Bau einer eingleisigen S-Bahn-Strecke von Ahrensburg bis Ahrensburg-Gartenholz. Zwischen Hamburg-Altona und Hasselbrook soll sie die bereits vorhandenen S-Bahn-Gleise (S1/S11) mitnutzen, zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bad Oldesloe die bereits vorhandenen Fernbahngleise. Die S4 soll dann zwischen Hamburg-Altona und Ahrensburg in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt fahren, bis Bargteheide im 20-Minuten-Takt und bis Bad Oldesloe im Stundentakt. Für die S4 sollen zudem zusätzliche Haltestellen errichtet werden, in Hamburg sind das Wandsbek Rathaus, Bovestraße, Holstenhofweg und Pulverhof. Die RB81 würde durch die S4 ersetzt werden. So ergibt sich eine bessere Ausnutzung der beschränkten Kapazitäten des Hamburger Hauptbahnhofs, dessen Fern- und Regionalbahnteil überlastet ist, während die S-Bahn-Gleise noch zwei weitere Linien, eine davon die S4, aufnehmen können. 2020 soll mit dem Bau begonnen werden, 2025 eine Teilinbetriebnahme bis Rahlstedt erfolgen. 2027 soll das Gesamtprojekt bis Bad Oldesloe fertiggestellt sein.