Update: Der Aufzug ist seit Mittwoch, 3. Juli 2019 wieder in Betrieb.


Der Aufzug am Bahnhof Rahlstedt ist seit Mitte März 2019 außer Betrieb. Ursprünglich sollte die Reparatur bis zum 24. April erfolgen, was nicht passierte. Dann kündigte ein Schild die Reparatur bis zum 7. Juni an. Mittlerweile ist vom 7. Juli die Rede. Bereits von Mai bis August 2018 war der Aufzug kaputt. Warum jetzt schon wieder? Und warum dauert die Reparatur so lange? Ich habe beim Bahnhofsmanagement nachgefragt.

Das Bahnhofsmanagement antwortete mir auf Nachfrage am 12. März 2019: “leider ist durch die mangelnde Entwässerung im Tunnel der Aufzugsrahmen durchgerostet. Wir mussten daher den Aufzug aus Sicherheitsgründen außer Betrieb nehmen. Die Bestellung des neuen Türrahmens wird laut Hersteller ca. 6 Wochen dauern.”

Auf erneute Nachfrage, warum der Schaden denn nicht schon im letzten Sommer hätte erkannte werden können, erhielt ich am 12. April 2019 weitere Informationen vom Bahnhofsmanagement: “Nach dem letzten großen Wasserschaden – mit dem damit verbundenen Austausch des gesamten Antriebes – waren die Korrosionsschäden am Türrahmen noch nicht zu erkennen. Da der Stahltürahmen mit Bodenfliesen und Edelstahlblechen verkleidet ist, lassen sich versteckte Korrosionsschäden nicht ohne weiteres erkennen. Der Techniker stellte den Mangel fest, weil der Boden nachgab und sich durchbog. Aus Sicherheitsgründen wurde der Aufzug sofort stillgelegt. (…) Türrahmen werden normalerweise in einem „Aufzugsleben“ nicht getauscht und werden daher nicht als Ersatzteil vorgehalten. Der Aufzug in Rahlstedt stellt in diesem Fall eine absolute Ausnahme dar. Aktuell erwarten wir die Ersatzteillieferung vom Hersteller am 21.4.2019.”

Am 26. April 2019 teilte das Bahnhofsmanagement dann mit: “Die Firma Lutz hat den zeitlichen Verzug mit Schwierigkeiten bei der Ersatzteillieferung durch ihren Nachunternehmer begründet. Wir haben leider keine Alternative für die Ersatzteilbeschaffung, stehen aber im ständigen Kontakt mit unserem Nachunternehmer und versuchen die Ausfallzeit zu minimieren. Umso wichtiger ist es, dass wir künftig die Ursache für solche Schäden beseitigen. Wir haben die Stadt bereits dazu angeschrieben.”

Update: Am 29. Mai 2019 schließlich teilte das Bahnhofsmanagement mir mit, diesmal von sich aus, man habe “gestern eine sehr unangenehme Mitteilung der Fa. Lutz erhalten.” Der Gebietsleiter der Firma Lutz hatte der Bahn mitgeteilt, “dass bei der Demontage der Türzarge und Unterkonstruktion, weitere mechanische und elektrische Aufzugskomponenten versehentlich demontiert und vernichtet worden sind.” Und weiter: “Der Nachunternehmer kann sich diesen Fehler selbst nicht erklären und arbeitet mit Hochdruck an der Beschaffung.” Diese Beschaffung dauere leider auch ca. 4 bis 5 Wochen.  

Ursache für die wiederholten Schäden ist laut Bahn eine mangelhafte Entwässerung der Unterführung. Die Entwässerungsrinnen in der Unterführung, für die die Stadt zuständig und verantwortlich ist, sind nicht vollständig bis zur Tunnelwand durchgezogen, so dass Regenwasser daran vorbei- und in den Aufzugsschacht fließen kann. Zwar sei durch zwischenzeitliche Maßnahmen des Bezirksamtes eine Verbesserung eingetreten, so die Bahn. Sie seien aus ihrer Sicht aber nicht ausreichend.

“Für Fahrgäste, die auf den Aufzug angewiesen sind, ist der wiederholte monatelange Ausfall des Aufzugs ein ganz großes Ärgernis. Reparaturen werden immer einmal nötig. Im Falle des Aufzugs am Bahnhof Rahlstedt ist es allerdings unglaublich, was sich die beteiligten Unternehmen hier leisten. Das kann man wohl nur als Dilettantismus bezeichnen, ohne jegliches Gespür dafür, dass der Aufzug kein Selbstzweck ist, sondern es Bürgerinnen und Bürger gibt, die zwingend auf ihn angewiesen sind. Ein Reparaturzeitraum von vier Monaten ist inakzeptabel lang. Hersteller, Ersatzteillieferanten und Reparaturbetriebe müssen mehr Ehrgeiz und offenbar auch mehr Kompetenz entwickeln, defekte Aufzüge deutlich schneller reparieren zu können. Denn Barrierefreiheit bemisst sich nicht allein daran, wo überall Aufzüge gebaut wurden, sondern entscheidend für diejenigen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, ist deren tatsächliche Verfügbarkeit. Die ist am Bahnhof Rahlstedt viel zu häufig und dann zu lange nicht gegeben. Hier ist auch das Bezirksamt gefordert, die erkannten Mängel an der Entwässerung der Unterführung endlich zu beheben“, sagt der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter.

Immerhin: Im Zuge des Baus der neuen S-Bahn-Linie S4, mit dem im nächsten Jahr begonnen werden soll, ist ein kompletter Neubau der Unterführung vorgesehen. Für den neuen S-Bahn-Bahnsteig entsteht dann auch ein neuer Aufzug an anderer Stelle.


Dieser Beitrag erschien erstmals am 26. April 2019 und wurde am 10. Juni 2019 aktualisiert.