Immer wieder taucht die Frage auf, ob eine Vollsignalisierung der Kreuzung Schöneberger Straße / Liliencronstraße / Kielkoppelstraße die Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern verbessern könnte. Auf Beschluss der Bezirksversammlung Wandsbek hatte die Polizei diesen Vorschlag geprüft – mit einem eindeutigen Ergebnis: Sie hält eine Ampel an dieser Kreuzung für erforderlich, um Fußgängerinnen und Fußgängern das Queren der Straße zu erleichtern. Nun hat das Bezirksamt seine Planung dafür vorgestellt.
Befürworterinnen und Befürworter versprechen sich von einer Vollsignalisierung, dass dies den Verkehr an dieser vielbefahrenen Kreuzung für den Busverkehr, den Autoverkehr (insbesondere vom und zum Kinderkrankenhaus) und auch den Radverkehr erleichtern würde. Vor allem aber würden sich durch eine Vollsignalisierung für Fußgängerinnen und Fußgänger, für die es bislang nur eine Fußgänger-Lichtsignalanlage etwas abseits des Knotenpunkts und in ungünstiger Lage zur Bushaltestelle „Kinderkrankenhaus Wilhelmstift“ gibt, kürzere und sicherere Wege ergeben. Die von der Polizei erhobenen Zahlen der hier querenden Fußgänger bestätigen die Notwendigkeit einer Vollsignalisierung dieser Kreuzung.
Die Polizei (zentrale Straßenverkehrsbehörde) schrieb in ihrer Stellungnahme vom 7. Februar 2023, dass „(…) festgestellt (wurde), dass zu unterschiedlichen Tageszeiten an der benannten Örtlichkeit ein erhöhter Querungsbedarf für Fußgänger besteht. Zeitglich ist die Kraftfahrzeugverkehrsstärke so hoch, dass der Einsatz einer Lichtzeichensignalanlage erforderlich wird. (…)“ Schließlich kam die Polizei zu dem Fazit: „Die Straßenverkehrsbehörden würden den Vorschlag einer Vollsignalisierung für den Knoten Schöneberger Straße/ Liliencronstraße/ Kielkoppelstraße befürworten.„
Bezirksamt stellt Planung vor
Nun hat das Bezirksamt einen ersten Planungsentwurf zur geometrischen Gestaltung der Umgestaltung des Knotenpunkts mit Vollsignalisierung vorgestellt. Auch wenn das Bezirksamt eine bestandsnahe Planung ohne allzu große Umbauten anstrebt, so zieht die Vollsignalisierung doch einige Anpassungen nach sich, insbesondere zur sicheren Führung des Radverkehrs im Knotenbereich. Das Bezirksamt beschreibt seine Planung wie folgt (Auszug aus dem Erläuterungsbericht zur 1. Verschickung, ausführlich mit weiteren Unterlagen hier; https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1025499):
„Die Vollsignalisierung des Knotenpunkts stellt eine Verbesserung der verkehrlichen Situation für alle Verkehrsteilnehmenden dar. Insbesondere für Zufußgehende ergeben sich kürzere Wege und ein sichereres Überqueren der Fahrbahnen. Auch der Radverkehr profitiert durch eine regelwerkskonforme und sichere Verkehrsführung im Umfeld des Knotenpunkts.
Im Folgenden wird die Planung erläutert. Detaillierte Informationen sind den Lageplänen im Anhang zu entnehmen. Grundsätzlich handelt es sich um eine bestandsorientierte Planung, bei der der Querschnitt der Fahrbahn größtenteils beibehalten sowie die Eckausrundungen des Knotenpunkts erhalten werden.
Für den Fußverkehr bedeutet die Vollsignalisierung die Einrichtung von Furten zur Querung aller vier Knotenpunktarme. Zur Herstellung der Barrierefreiheit sind taktile Leitelemente sowie differenzierte Bordhöhen an den Überquerungen geplant. Dadurch entfällt die bisherige Fußgängerlichtsignalanlage (FLSA) über die Kielkoppelstraße. Zusätzlich werden Grandflächen im Seitenraum gepflastert, um den Zufußgehenden etwas mehr Platz und Komfort zu bieten.
Die größte Änderung betrifft den Radverkehr. Dieser wird im Knotenpunktbereich auf den übergeordneten Straßen Schöneberger Straße und Kielkoppelstraße auf Radfahrstreifen nach der sogenannten Berliner Lösung geführt. Diese Radfahrstreifen werden im Umfeld des Knotenpunkts in den Seitenraum ab- und aufgeleitet, um den Anschluss an die bestehenden Radwege sicherzustellen.
Da die Radwege entlang der Schöneberger Straße und Kielkoppelstraße nicht benutzungspflichtig sind, muss eine Weiterfahrt des Radverkehrs im Mischverkehr ermöglicht werden. Hierfür wird die Breitstrichmarkierung des Radfahrstreifens – mit Ausnahme der nördlichen Fahrbahnseite der Kielkoppelstraße – als unterbrochene Linie ausgeführt. Zusätzlich werden Schutzstreifen markiert, die es dem Radverkehr erlauben, sich jeweils in Fahrtrichtung hinter dem Knotenpunkt vom Radfahrstreifen in den Mischverkehr auf der Fahrbahn einzureihen. Zusätzlich wird dem Radverkehr jeweils durch einen abgesenkten Bord und eine Rampe die Weiterfahrt im Seitenraum auf dem nicht benutzungspflichtigen Radweg ermöglicht.
Auf der Schöneberger Straße in westlicher Fahrtrichtung wird die Aufleitung des Radfahrstreifens in den Seitenraum als Radweg etwas nach Westen verschoben, da sonst nicht ausreichend Platz für einen Radfahrstreifen mit unterbrochener Markierung und die Einreihung der Radfahrenden in den Mischverkehr besteht. Infolge dieser Verschiebung muss ein Baum gefällt werden und es entfällt ein Längsparkstand. (…) Im Zuge dieser baulichen Maßnahmen wird sowohl der dort befindliche Baum als auch der unmittelbar angrenzende Parkstand (…) entfallen. In der Parkbucht am Fahrbahnrand reduziert sich die Kapazität der somit Stellplätze von ursprünglich vier auf drei Fahrzeuge. (…)
Des Weiteren werden Aufstelltaschen für den Radverkehr eingerichtet, die das indirekte Linksabbiegen in die untergeordneten Knotenpunktarme ermöglichen. Die Radverkehrsfurten werden rot markiert, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. In der Liliencronstraße wird der Radverkehr weiterhin im Mischverkehr geführt.
Die Bushaltestelle Kinderkrankenhaus Wilhelmstift bleibt wie im Bestand erhalten. Im Zuge der Änderung der Radverkehrsführung wird sie neu gepflastert und mit einem Gehweg aus grauem Betonsteinpflaster versehen. Der bisherige Radweg mit roter Pflasterung wird dabei entfernt.
Zusätzlich werden taktile Leitelemente eingebaut, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Es ist angedacht, den Radverkehr aus dem Seitenraum, vom Radweg kommend, durch die Bushaltestelle auf den Radfahrstreifen zu führen.
Für den motorisierten Individualverkehr (sowie den Radverkehr im Mischverkehr) ist wie im Bestand jeweils ein Fahrstreifen pro Richtung vorgesehen. Separate Abbiegestreifen werden nicht eingerichtet.
Die Haltelinien an der Lichtsignalanlage sind so weit zurückgesetzt, dass die Schleppkurven eingehalten werden können. Diese wurden anhand eines Löschfahrzeugs der Feuerwehr geprüft.
Wie bereits erwähnt, muss ein Baum an der westlichen Knotenpunktzufahrt auf der nördlichen Straßenseite gefällt werden. Als Ausgleich ist eine Ersatzpflanzung in der Liliencronstraße nördlich des Knotenpunkts am Ende der Parkverbotszone am westlichen Fahrbahnrand vorgesehen. (…)“
Das Bezirksamt beziffert die Gesamtbaukosten (inklusive Honorar) der Vollsignalisierung auf 760.000 Euro. Wann die Baumaßnahme konkret umgesetzt werden kann, steht noch nicht fest, bestenfalls bereits im kommenden Jahr.
Beschluss der Bezirksversammlung Wandsbek vom 15. Dezember 2022 (Drucksache 21-6237.1) zur Prüfung der Vollsignalisierung: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1017894
Stellungnahme der Polizei / VD52 (zentrale Straßenverkehrsbehörde) vom 7. Februar 2023 (Drucksache 21-6537): https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1018154
Beschluss der Bezirksversammlung Wandsbek vom 30. Mai 2024 (Drucksache 21-8917.1) zur Aufnahme konkreter Planungen für die Vollsignalisierung: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1020962
Mitteilung des Bezirksamts Wandsbek „Baumaßnahme: Vollsignalisierung und Umgestaltung des Knotenpunkts Schöneberger Straße/ Liliencronstraße/ Kielkoppelstraße / Teilbaumaßnahme: Straßenbau vom 11. Juni 2026 (Drucksache 22-3858): https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1025499
Hallo Herr Buschhüter,
das ist per se eine sejr gute Idee, aber die Kosten lassen mich zusammenzucken. Und dann kommen ja noch laufende Kosten für den Betrieb der umfangreichen Ampelanlage hinzu.
Wäre es nicht effizienter und günstiger dort einen Kreisverkehr zu errichten? Das wäre für Krankenwagen auch einfacher zu „überwinden“? Sorgt zudem für Entschleunigung, weil dort gern mal spät abends Autorennen stattfinden und da „bremsen“ Ampeln nicht.
Könnte man in dem Zuge nicht gleich die ganze Liliencronstraße in eine 30er Zone verwandeln und nicht nur auf Höhe des Kindergartens? Die Straße ist eine einzige Park- und Rennstrecke und zudem noch hochfrequentierter Schulweg. Regelmäßig zugeparkt von RHTC Besuchern (dass der HVV da nicht längst Beschwerde eingereicht hat). Die neue Bank bei der Bushaltestelle Theodor-Storm-Str. steht fast mitten auf dem Weg – fast ein Schildbürgerstreich 😉 Die Straße ist ein einziges Verkehsdisaster. Nun ja, ich schweife ab… 🙂
Liebe Grüße N. P.
Vielen Dank für Ihr Feedback. Der Vorteil der vom Bezirksamt angestrebten Lösung ist, dass sie mit vergleichsweise geringen Umbauten möglich ist. Ein Kreisverkehr hier würde einen Neubau des kompletten Kreuzungsbereichs bedeuten, mit entsprechend langer Bauzeit und damit verbundenen höheren Kosten. So überhaupt der Platz dafür reicht und nicht noch private Grundstücke dafür angekauft werden müssten. Daher wäre ein Kreisverkehr aus meiner Sicht hier keine gute Lösung.
Gerade weil die Liliencronstraße auch von Bussen befahren wird, halte ich eine Tempo-30-Zone auf ganzer Strecke nicht für erstrebenswert. Der RHTC fordert aktuell allerdings eine weitere Tempo-30-Strecke vor seinem Vereinsgelände, entschieden wurde darüber noch nicht, aber gut möglich, dass da noch etwas kommt. Mehr dazu hier: https://sitzungsdienst-wandsbek.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1025341
Über die Platzierung der Sitzbank habe ich mich auch schon gewundert. Da muss man, finde ich, noch mal ran.
Moin Herr Buschhüter,
hier tobt sich wieder der Bürokratismus aus- kostet viel Geld und bringt nichts!
Bitte eine einfache Lösung mit der Verlegung der jetzigen Ampel!
Für Die Radfahrer muss nichts extra gebaut werden- zahlen ohnehin keinen
Beitrag für den Strassenverkehr (fahre selbst Fahrrad).
Verkehrssünder wird man so nicht packen- kurzfristige Kontrollen sind billiger.
Gruß
K-H Böttger
Die Polizei hält eine Ampelanlage an dieser Kreuzung für sehr sinnvoll, und zwar als Vollsignalisierung. Sie ist kompetent, Fragen der Verkehrssicherheit zu beurteilen. Darauf verlassen wir uns. Das Bezirksamt strebt eine möglichst schlanke Planung an, ohne einen allzu großen Umbau. Ich finde das sehr vernünftig. Mit Bürokratismus hat das nichts zu tun, im Gegenteil: Das Bezirksamt zeigt mit diesem Vorhaben, dass es auch anders geht.
Das ist seit Jahren eine gefährliche Kreuzung mit einigen schweren Unfällen..
ich finde es gut, dass das nun endlich (nachdem die Polizei bereits vor drei Jahren !! die dringende Empfehlung gegeben hat) in Angriff genommen werden soll… hoffentlich dauert die Umsetzung nicht auch noch Jahre…..
Beste Grüße Michael Scharrer
Danke für Ihr Feedback. Ich setze auch auf eine zügige Umsetzung.
Super, dass es endlich klappt. Ist schon grenzwertig, was hier täglich abgeht
Was lange währt, wird endlich gut.
Es ist ja für michimmer gut gegangen…..aber eine Ampel an dieser Kreuzung ist wirklich eine gute Idee. Ein sicherer Weg zum Kinderkrankenhaus.
Vielen Dank für das positive Feedback!