In der Bargteheider Straße 43 in Alt-Rahlstedt wurde in Erinnerung an den von Nazi-Ärzten ermordeten Sozialdemokraten Andreas Dragendorf ein Stolperstein verlegt, für den der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter die Patenschaft übernommen hat. Schülerinnen und Schüler des benachbarten Gymnasiums Rahlstedt haben bei einer Gedenkveranstaltung vor Ort mit ihren bewegenden und berührendem Beiträgen für einen würdigen Rahmen gesorgt. Danke an alle, die dazu beigetragen haben, allen voran ihrem Lehrer Matti Kubisch.

Andreas Dragendorf, geboren 1897, war bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten als festangestellter Hafenarbeiter und als SPD-Funktionär in Rahlstedt tätig. Die Ausgrenzung politisch Andersdenkender traf die gesamte Familie Dragendorf sowohl finanziell wie auch sozial. Andreas Dragendorf verlor aufgrund seiner politischen Einstellungen zuerst seine Anstellung im Hamburger Hafen, und letztendlich verschlechterte die jahrelange Gängelung der gesamten Familie seinen Gesundheitszustand. Nach einem Nervenzusammenbruch in Folge eines Bombenangriffs im Jahr 1942 wurde Andreas Dragendorf von einem Hamburger Krankenhaus über mehrere Stationen in die hessische Heilanstalt Hadamar verlegt.

Die eigentliche „Heilanstalt“ Hadamar entwickelte sich in den Jahren von 1941 bis 1945 zu einer Tötungsanstalt. Durch das Einsetzen von Gas, überdosierter Medikation oder durch Verhungern wurden zuerst Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen und später auch als „halbjüdisch“-geltende Kinder sowie erkrankte so genannte Ostarbeiterinnen und Ostarbeiter getötet. So auch Andreas Dragendorf, der dort im Oktober 1943 sein Leben verlor.

Ein besonderer Dank gilt der Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten, die durch ihre Recherchearbeit dafür gesorgt hat, dass Andreas Dragendorf nicht in Vergessenheit geraten ist und so der Stolperstein verlegt werden konnte, außerdem Steffen Becker vom Heimatarchiv des Bürgervereins Rahlstedt, der seinerseits einige Recherchearbeit zu Andreas Dragendorf angestellt hat.

Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt STOLPERSTEINE durch kleine Gedenksteine europaweit an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor deren früheren Wohnorten – seit 2002 auch in Hamburg. Mittlerweile wurden allein in Hamburg 6.290 Stolpersteine verlegt, in der ganzen Stadt. Sie erinnern nicht nur an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, sondern machen deutlich und führen uns jeden Tag vor Augen, dass die Opfer nicht irgendeine anonyme Gruppe von Menschen waren, weit weg von uns, sondern sie waren Menschen wie du und ich, Nachbarinnen und Nachbarn mitten unter uns.


Nachtrag vom 28. Mai 2022: Anders als das Rahlstedter Wochenblatt heute berichtet, wurde in der Feierstunde vor Ort nicht „mit Sekt angestoßen“. Das wäre völlig unpassend gewesen. Dieser Absatz gehört zu einem anderen Bericht und taucht auf Seite 3 derselben Wochenblatt-Ausgabe noch einmal auf.