Gibt es bald ein Museum über das Leben der Rentierjäger im Ahrensburger und im Stormarner Tunneltal am Ende der letzten Eiszeit? Der Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Kreistags Stormarn beschloss Ende Februar auf Initiative der SPD-Fraktion, die Kreisverwaltung mit Vorprüfungen für eine hierfür zu erteilende Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Die Idee ist schon älter, durch die in Hamburg und Stormarn durchgeführten archäologischen Voruntersuchungen entlang der geplanten S4-Trasse aber wieder aktuell.

Der Stormarner SPD-Kreistagsfraktion schwebt vor, im Rahmen der Machbarkeitsstudie verschiedene Vorschläge für eine behutsame Erschließung der bedeutsamen eiszeitlichen Kulturgeschichte der Region und mögliche Finanzierungsquellen für deren Realisierung zu prüfen. So denkt man seitens der SPD-Fraktion insbesondere an die Schaffung eines Erlebnis- und Bildungsortes „Ahrensburger Kultur“ im Ahrensburger und im Stellmoorer Tunneltal, der sich beispielhaft mit Natur, Geologie und Leben der Rentierjäger in der endeiszeitlichen Phase vor rund 10.000 Jahren auseinandersetzt. Gedacht wird an ein kleines Museum oder an einen Schau- oder Ausstellungsraum. Alternativ wird ein Konzept für einen „Natur- und Kulturweg“ von Ahrensburg nach Hamburg vorgeschlagen. Der Weg würde die besonderen Funde der „Ahrensburger Kultur“ (ca. 10.000 Jahre) und der „Hamburger Kultur“ (ca. 12-14.000 Jahre) länderübergreifend miteinander verbinden. Mit Hilfe von zeitgemäßen Methoden könnte anschaulich über die natur- und kulturhistorisch besonderen Spuren der Menschen in dieser Siedlungszone informiert werden. Die Funde sind ein Fenster in die Menschheitsgeschichte und haben Alleinstellungsmerkmal.

Der Stormarner Ausschuss hat zunächst einstimmig beschlossen, vor einer Beauftragung einer entsprechenden Machbarkeitsstudie die Kosten, den Zeitrahmen und mögliche Auftragnehmer sowie die Finanzierungsmöglichkeiten zu ermitteln. Denkbar wären Fördermittel z.B. der EU und der Aktiv-Region Alsterland, der Metropolregion Hamburg, der Länder Schleswig-Holstein und auch Hamburg, sowie des Kreises Stormarn und seiner Gemeinden. Erst nach Vorlage dieser Informationen möchte man weitere Beschlüsse fassen. Die kommunalen Medien haben die Idee aufgegriffen und ausführlich darüber berichtet – mit einem positiven Tenor. Ich finde die Idee ebenfalls sehr charmant und freue mich über die Initiative der Stormarner SPD-Kollegen. Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht.

Im Zuge der Planungen zum Bau der S4 von Hamburg nach Bad Oldesloe muss die Deutsche Bahn AG auch eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellen. Es werden die Auswirkungen des Infrastrukturprojekts auf Menschen, Tiere, Pflanzen, die biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft, Kulturgüter, sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkung zwischen diesen Schutzgütern untersucht. Dabei fanden im Stellmoorer Tunneltal und im Ahrensburger Tunneltal im Sommer 2015 auch archäologische Voruntersuchungen statt. Die Untersuchungen waren wichtig, um festzustellen, ob und in welchem Umfang denkmalschutzrechtliche Maßnahmen bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen sind.

Das Stellmoorer und das Ahrensburger Tunneltal haben internationale archäologische Bedeutung für die Erforschung der frühen Besiedlungsgeschichte während der späten Eiszeit. In diesem Bereich gibt es Fundplätze späteiszeitlicher Rentierjäger, welche einerseits die erste Besiedlung Nordeuropas durch den Menschen nach der letzten Eiszeit darstellen, zum anderen durch teilweise über 14.000 Jahre altes Holz und Knochen in ihrer Wertigkeit europaweit ihresgleichen suchen. So stammen aus dem Bereich der Querung „Brauner Hirsch“ in Schleswig-Holstein die ältesten bekannten Holzpfeile der Menschheit.

Fachleute des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein und des Archäologischen Museums Hamburg führten die Grabungen beiderseits der Landesgrenze durch. Zu den Fundstücken zählen unter anderem Waffen, Musikinstrumente und Knochenfragmente. Dabei überraschte vor allem die hohe Dichte der gefundenen Artefakte. Auf einen Quadratmeter kamen in einigen Bereichen bis zu zehn Knochenfunde. Die Experten schätzen, dass im Untersuchungsgebiet die Überreste von ungefähr 2.000 Tieren liegen, die aus den Jahren 12.500 bis 10.000 vor Christus stammen.

Die Archäologen dokumentieren die Funde durch die fachgerechte Ausgrabung in ihrer Umgebung mit Fotos, Zeichnungen und digitalem Aufmaß. Nach der Erfassung und Bewertung wurden die in Hamburg ausgegrabenen Artefakte ins Magazin des Archäologischen Museums Hamburg gebracht und stehen, neben der Grabungsdokumentation, weiteren wissenschaftlichen Analysen zur Verfügung.