Immer wieder wird gefordert, in Hamburg ein HVV-Sozialticket einzuführen. Gibt es für Hilfebedürftige etwa keine Ermäßigungen? Doch: Tatsächlich gibt es im HVV sogar eine Vielzahl von Sozialtickets. Denn Hilfebedürftige erhalten mit der so genannten Sozialkarte auf alle HVV-Zeitkarten einen Rabatt. Somit kann jede HVV-Monats- und -Abokarte zum maßgeschneiderten Sozialticket gemacht werden. Das gibt es sonst nirgendwo.

Die Sozialkarte, eine freiwillige Sozialleistung der Freien und Hansestadt Hamburg, gewährt Hilfebedürftigen einen Rabatt von aktuell 21,10 Euro (Stand: 2018) auf alle Monats- und Abokarten des HVV. Das hat zunächst einmal den großen Vorteil, dass hilfebedürftige Fahrgäste nicht durch ein spezielles Sozialticket stigmatisiert werden, sondern ermäßigte Monats- und Abokarten für jedermann kaufen können.

Von Hilfebedürftigen am meisten nachgefragt werden die so genannten Teilzeit-Karten (früher: CC-Karten), die der HVV für jedermann zu einem besonders günstigen Preis anbietet. Im Gegenzug gelten die CC-Karten allerdings montags bis freitags nicht vor 9 Uhr und nicht zwischen 16 und 18 Uhr. Dafür können mit ihnen aber ohne Aufpreis auch die SchnellBusse genutzt werden.

Die Teilzeit-Karte für den Bereich Hamburg AB kostet im Abo aktuell 51 Euro, nach Abzug des Sozialkarten-Rabatts also nur 29,90 Euro. Für viele Fahrgäste reicht aber auch bereits die Teilzeit-Karte für 3 Tarifzonen. Diese kostet im Abo 34,90 Euro, nach Abzug des Sozialkarten-Rabatts sogar nur 13,80 Euro! Ein äußerst attraktives Angebot, das bundesweit seinesgleichen sucht. Denn eine derartige Ausdifferenzierung für Hilfebedürftige gibt es sonst nirgendwo! Mit nur 3 Tarifzonen kann man beispielsweise alle Busse und Bahnen zwischen Farmsen und der Innenstadt nutzen (Tarifzonen 000, 105, 205).

Von Kritikern der Sozialkarte wird gerne übersehen, dass der Sozialkarten-Rabatt auch auf Schülerkarten gewährt wird. Eine Schüler-Hauptkarte kostet nach Abzug des Sozialkarten-Rabatts für den Bereich Hamburg AB im Abo aktuell nur 19,75 Euro, die Nebenkarte für Geschwisterkinder sogar nur 12,10 Euro.

In der Gesamtbetrachtung gehört der Sozialkarten-Rabatt bundesweit zu den besten Angeboten für Hilfebedürftige. Einige Vergleiche:

In München kostet das Sozialticket („IsarCard S Stadt München“ für den MVV-Innenraum, vergleichbar mit dem HVV-Großbereich) 30 Euro (Stand: 2018), dafür gelten auch hier Sperrzeiten (montags-freitags 6 bis 9 Uhr). Das Angebot ist also mit unserer rabattierten CC-Abokarte Großbereich vergleichbar. Geringere Preise nur für Teilbereiche gibt es in München aber nicht.

Die Sozialkarte in Berlin („Berlin-Ticket S“ für den Teilbereich Berlin AB, vergleichbar mit HVV-Großbereich) hat keine Sperrzeit und kostet 27,50 Euro, ist also etwas günstiger als das vergleichbare HVV-Angebot. Die Möglichkeit, für einen geringeren Preis die Gültigkeit räumlich einzuschränken, gibt es auch hier nicht.

Dies sind nur einige Beispiele. Im Ergebnis kann man festhalten: Hamburg muss sich mit dem Sozialkarten-Rabatt nicht verstecken.

Unter dem SPD-Senat war die erst 2009 unter Schwarz-Grün eingeführte Sozialkarte in zwei Schritten von 18 auf 20 Euro angehoben worden. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wurde vereinbart, dass die Sozialkarte zukünftig regelmäßig erhöht wird.

Dies wird seit dem 1. Januar 2016 umgesetzt, auf Antrag von SPD und GRÜNEN (siehe unten): Die Sozialkarte wird zukünftig mit jeder HVV-Tarifänderung angepasst. Wir wollen damit sicherstellen, dass die Höhe der Ermäßigung nicht den HVV-Tarifen hinterherläuft, sondern alle, die darauf angewiesen sind, sich auf zeitgleiche Erhöhungen ihres Zuschusses verlassen können. Werden die Fahrkarten teurer, müssen auch die Ermäßigungen steigen, damit weiter Mobilität für alle möglich ist.

Als Maßstab für die Anpassung des Sozialkarten-Rabatts wird die Preisentwicklung bei der am meisten nachgefragten Teilzeit-Karte herangezogen, aufgerundet auf volle 10 Cent. Der Sozialkarten-Rabatt ist somit zum 1. Januar 2016 von bis dahin 20 Euro auf 20,40 Euro gestiegen, zum 1. Januar 2017 auf 20,80 Euro und zum 1. Januar 2018 auf 21,10 Euro.

Der Ruf nach einem HVV-Sozialticket führt in die Irre. Tatsächlich gibt es in bereits ein Sozialticket. Aber nicht ein Sozialticket für alle Hilfsbedürftigen gleichermaßen, sondern mithilfe des Sozialkarten-Rabatts für jeden einzelnen Hilfebedürftigen maßgeschneidert, so wie für alle anderen HVV-Kunden auch.

Weitere Informationen zur Sozialkarte: http://www.hamburg.de/sozialkarte/

Zum Antrag „Verlässliche und regelmäßige Erhöhungen der Sozialkartenzuschüsse“ der Fraktionen von SPD und GRÜNEN (Drucksache 21/2195): https://www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/50422/verlässliche-und-regelmäßige-erhöhungen-der-sozialkartenzuschüsse.pdf


Dieser Beitrag wurde am 9. Juni 2018 aktualisiert.