Im Mai 2021 haben die Bauarbeiten für die neue S-Bahn-Linie S4 nach Bad Oldesloe offiziell begonnen. Seitdem wird bereits im Bereich Hasselbrook/Marienthal gebaut. Ende 2027 soll die Neubaustrecke bis Rahlstedt fertiggestellt sein, Ende 2029 dann die gesamte Strecke. Auf dem Weg dorthin wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 der Betrieb der Regionalbahn-Linie RB81, die später durch die S4 ersetzt werden soll, neu organisiert. Der Übergang von der RB81 zur S4 wird in vier Phasen stattfinden. Alle Einzelheiten hier:

Aufgrund häufig wechselnder Bauzustände, die zeitlich nicht präzise absehbar sind, ist eine umfassende Flexibilität hinsichtlich des Übergangs von der Linie RB81 zur neuen Line S4 erforderlich. Alle Phasen können daher entsprechend dem tatsächlichen Bauablauf über Zu- bzw. Abbestelloptionen in ihrer Dauer verändert werden.

Erste Phase (S-Bahn Hamburg GmbH übernimmt RB81)

Bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 wird die S-Bahn Hamburg GmbH den Betrieb der RB81 übernehmen. Dies ermöglicht einen reibungslosen Übergang zum S-Bahn-Betrieb, sobald die S-Bahn-Infrastruktur bis Rahlstedt fertiggestellt ist. Bis dahin wird die DB Regio Schleswig-Holstein die RB81 als Subunternehmerin im Auftrag der S-Bahn weiterbetreiben.

Zum Einsatz kommen wie bisher Doppelstockfahrzeuge, allerdings mit in der Regel dann sechs statt aktuell fünf Wagen. Hierbei wird gebrauchtes Wagenmaterial aus dem Bestand bzw. dem weiteren Bundesgebiet neu zusammengestellt. Des Weiteren wird zur allgemeinen Stabilisierung künftig eine zeitweise Betriebsreserve in Hamburg vorgehalten. Aktuell sind viele RB81-Züge nur mit vier anstelle der bestellten fünf Wagen unterwegs, da aufgrund von zahlreichen Coronafällen in der Werkstatt in Kiel nicht alle Instandhaltungsarbeiten an den Doppelstockwagen fristgerecht ausgeführt werden können, wie die DB Regio Schleswig-Holstein auf Nachfragen mitteilte.

Im Regelverkehr bleibt das Fahrplan-Angebot wie aktuell bestehen. Erwartet werden allerdings immer wieder größere Einschränkungen im Verkehrsangebot: durch die Baumaßnahme Berliner Tor im ersten Halbjahr 2023 und zunehmend durch den Bauablauf zur Erstellung der S4-Infrastruktur. Auch deshalb werden die RB81-Züge auf sechs Wagen verlängert.

Ab 2024 kommen weitere Lokomotiven jüngeren Baudatums zum Einsatz. Auch dies soll die Einsatzverfügbarkeit erhöhen.

Zweite Phase (Betrieb der RB81 mit S-Bahn-Fahrzeugen)

Ab voraussichtlich Mitte 2026 werden die lokbespannten Doppelstockwagen-Züge durch S-Bahn-Fahrzeuge der Baureihe 490 (als Voll- bzw. Langzug) abgelöst. Die S-Bahn-Fahrzeuge verkehren allerdings noch als RB81 und enden und starten auf den Gleisen 5 bis 8 im Hamburger Hauptbahnhof. Teilweise ist die hierfür erforderliche Infrastruktur (96 cm hohe Bahnsteige) dann bereits vorhanden, teilweise wird sie hierfür (provisorisch) angepasst. Das Verkehrsangebot entspricht weiterhin dem der RB81, es kommt aber zunehmend zu zeitweisen Teil- und Vollsperrungen aufgrund des Bauablaufs zur Errichtung der S4-Infrastruktur (Gleise und Bahnsteige).

Dritte Phase (Teilinbetriebnahme bis Rahlstedt)

Ab Ende 2027 soll die S-Bahn-Infrastruktur bis Rahlstedt fertiggestellt sein. Von da an fährt die S4 von Altona bis Rahlstedt auf eigenen Gleisen im Tagesverkehr im 10-Minuten-Takt. Mangels zu diesem Zeitpunkt noch fehlender eigener S-Bahn-Gleise fährt die S4 über Rahlstedt hinaus bis Ahrensburg zunächst nur im 20-Minuten-Takt (im Mischverkehr auf den vorhandenen Gleisen) und darüber hinaus bis Bargteheide und Bad Oldesloe wie jetzt die RB81, allerdings bereits mit S-Bahn-Fahrzeugen, die in Rahlstedt aus dem S-Bahn-Netz auf die Fernbahngleise übergehen. Die S4 löst die RB81 dann vollständig ab.

Vierte Phase (Vollbetrieb der S4)

Voraussichtlich ab Ende 2029, wenn die S-Bahn-Gleise auch bis Ahrensburg-Gartenholz fertiggestellt sind, soll dann der Vollbetrieb der S4 bis Bad Oldesloe starten: Dann erfolgt die Ausweitung des Angebots auf einen 10-Minuten-Takt bis Ahrensburg-Gartenholz (in der Hauptverkehrszeit) bzw. einen 20 bis 60-Minuten-Takt bis Bargteheide bzw. Bad Oldesloe.

Kosten

Im Vergleich zum heutigen Betrieb der RB81 werden sich die Kosten für den Voll-Betrieb der S4 ab Ende 2029 mehr als verdoppeln. Hier schlagen das deutlich umfangreichere Verkehrsangebot, das mit der S4 möglich wird, zu Buche, außerdem der qualitativ höherwertige und aufwändigere Betrieb mit modernen S-Bahn-Fahrzeugen. Für den Betrieb der S4 sind ab 2030 61,3 Millionen Euro angesetzt, im Vergleich dazu würde der Betrieb der RB81 im bisherigen Umfange im Jahre 2030 23,3 Millionen Euro kosten.

Bewertung

„Die S4 ist nicht mehr aufzuhalten. Voraussichtlich ab Ende 2027 wird die S4 im vollen Umfang zwischen Rahlstedt und Altona verkehren, zwei Jahre später dann auch nördlich von Rahlstedt. Der Weg dorthin wird für die heutigen Fahrgäste der RB81 ein steiniger werden: Mit zunehmendem Baufortschritt wird es immer wieder zu Teil- und Vollsperrungen mit Schienenersatzverkehr und wechselnden Bauzuständen kommen. Doch die Fahrgäste der RB81 sind Kummer gewohnt, Zugausfälle und Verspätungen sind im heutigen Betrieb ja keine Seltenheit. Am Ende der Durststrecke wird dann die langersehnte und längst überfällige neue S-Bahn-Linie S4 den Schienenverkehr von und nach Rahlstedt auf ein ganz neues Niveau heben: Im 10-Minuten-Takt geht es dann umsteigefrei in die Hamburger Innenstadt und darüber hinaus bis Altona. Für die Fahrgäste wird dies ein großer Gewinn sein, ebenso für die Bahn, die mit vielen neuen Fahrgästen rechnen darf“, sagt der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter, der sich seit über zwei Jahrzehnten für den Bau der S4 einsetzt.


Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft „Verkehrsleistung S4/RB81 (Vertragsergänzung S-Bahn Verkehrsvertrag/3. Änderungsvereinbarung) vom 28. Juni 2022 (Drucksache 22/8714): https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/80380/verkehrsleistung_s4_rb81_vertragsergaenzung_s_bahn_verkehrsvertrag_3_aenderungsvereinbarung.pdf

Hintergrund

Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe ist eine der am meisten befahrenen Pendlerstrecken rund um die Hansestadt. Um viele Bereiche im Osten der Stadt und das nordöstliche Umland besser anzubinden, wird die S4 gebaut – für zuverlässigere Verbindungen, weniger Umstiege und mehr Komfort. Prognostiziert wird nahezu eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen im Vergleich zur heutigen Regionalbahn-Linie RB81. Auch der Hamburger Hauptbahnhof als bisheriges Nadelöhr wird entlastet und der S-Bahnverkehr in die Innenstadt noch weiter verstärkt – ein wichtiger Beitrag zur Mobilitätswende. 

Das Projekt S4 beinhaltet den Bau einer zweigleisigen S-Bahn-Strecke von Hasselbrook bis Ahrensburg und den Bau einer eingleisigen S-Bahn-Strecke von Ahrensburg bis Ahrensburg-Gartenholz. Zwischen Hamburg-Altona und Hasselbrook wird sie die bereits vorhandenen S-Bahn-Gleise (S1/S11) mitnutzen, zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bad Oldesloe die Fernbahngleise. Die S4 wird dann zwischen Hamburg-Altona und Ahrensburg in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt fahren, bis Bargteheide im 20-Minuten-Takt und bis Bad Oldesloe im Stundentakt. Für die S4 werden zudem zusätzliche Haltestellen errichtet. In Hamburg sind das: Wandsbek Rathaus, Bovestraße, Holstenhofweg und Pulverhof. Die RB81 wird durch die S4 ersetzt. So ergibt sich eine bessere Ausnutzung der beschränkten Kapazitäten des Hamburger Hauptbahnhofs, dessen Fern- und Regionalbahnteil überlastet ist, während die S-Bahn-Gleise noch zwei weitere Linien, eine davon die S4, aufnehmen können. Das Projekt S4 wurde 2018 in den „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans hochgestuft. Ende 2019 erfolgte die Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund, Bahn, Hamburg und Schleswig-Holstein, im Mai 2021 der erste Spatenstich für die Bauarbeiten. Der Bund übernimmt mit rund 84 Prozent einen Großteil der auf rund 1,85 Milliarden Euro geschätzten Gesamtkosten für den Bau der S4.

Das Projekt S4 erklärt in 100 Sekunden

Die Deutsche Bahn stellt auf ihrer Website www.s-bahn-4.de weitere umfangreiche Informationen zum Projekt S4 zur Verfügung. Außerdem kann dort ein Newsletter abonniert werden, so dass man keine Neuigkeiten mehr verpasst: https://www.s-bahn-4.de/de/news-service/newsletter.html

In einem Film wird das Projekt S4 und sein Nutzen für Hamburg und Schleswig-Holstein in 100 Sekunden anschaulich erklärt. Anklicken und anschauen:

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